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WER JETZT KEIN HAUS HAT, BAUT SICH KEINES MEHR. DER WELT INS GESICHT SEHN – VON DER SEHNSUCHT NICHT LASSEN

Buchbesprechung von Sybille Fritsch-Oppermann zu:

Thomas Bartsch, Erdrutsch der Zeit, Lyrik, Geest-Verlag 2026,

ISBN 978-3-69064-568-3, € 14.00

 

Thomas Bartsch legt seinen vierten Lyrikband im Geest-Verlag vor. Neben seiner darüber hinausgehenden Beteiligung an drei Anthologien einer festen Lyriker- und Lyrikerinnen- Gruppe dieses Verlages, erschien hier auch sein tiefenpsychologisch-philosophischer Essay zu Sisyphos mit einer innovativen Neu-Interpretation der Sisyphos-Metapher im Sinne einer „Chance und Kunst zur Wende“.

Liegt es an Bartsch’s beruflichem Hintergrund in der medizinischen Psychotherapie, dass er auch in seiner Lyrik den Menschen nicht gänzlich aufzugeben vermag? Jedenfalls betrachtet er selber das Schreiben von Gedichten als Wortkunst und als Basis und Raum für eine Reflexion, die sowohl nach innen ausloten als auch nach außen Stellung beziehen kann. 

 

Aufarbeitung

Ich trage in mir

Ein altes Haus

Mit Rissen im Boden

Lücken im Dach

Dort schaffe ich mir

Einen atmenden Raum 

In dem ich 

Als ICH

Überleben kann

(Seite 68)

 

Thomas Bartsch schlägt seine Gedichte den Lesern quasi zum Gespräch vor. Sie kommen, auch da, wo sie nach außen Stellung beziehen, nie mit erhobenem Zeigefinger daher. Der Lyriker teilt aus vom eigenen Erleben und teilt mit denen, die anderes dazu beitragen könnten.

 

So bestechen die meisten seiner Gedichte durch eine Offenheit auf allein oder gemeinsam zu findende Auf-lösung hin.

Er sieht der Welt und dem Leben, so schrecklich es auch sein mag, ins Gesicht; beschönigt oder vertröstet nicht. Aber – er gibt, manchmal gar in Reime mündend, Bau-Zeichnungen für Häuser mit auf den Weg, in denen die romantische Sehnsucht, die wir Menschen letztlich doch alle teilen, nach Einssein und Heilsein, Schutz finden kann. Für eine Weile. So lange als eben nötig. Und das immer so, dass es beim Lesen reizt, eigene Schutzräume zu ersinnen und zu entwerfen.

 

Angenehm, dass einer, der ganz offensichtlich sein Herz nach wie vor an die Romantik in der Lyrik verloren hat – oder hat er es da gefunden? - , dennoch ganz neue Töne findet. Gar keine Tendenz zu postmodernem Kitsch findet sich. Kein Ausschweifen, kein Nachahmen. Die Worte sind kurz und knapp, wie auch die meisten der Gedichte. Und gerade dadurch schaffen sie Raum für eine zarte blaue Blume inmitten der großen Städte, der Betonwüsten, der von Menschen verunstalteten Natur.

 

Kurz und knapp werden uns Träume zugestanden, Erinnerungen und – auf sie bauend – Hoffnungen für heute und morgen.

 

Liebesbrief

Weil der Paradiesvogel

In mir

Federn gelassen hat

Kann er spüren

Dass er nicht friert

Wenn du DU bist

Ganz du

Und hautnah

Bei mir

(Seite 9)

 

  Um ICH-findung ohne Egozentrik, um Begegnung mit einem ernstzunehmenden DU, eigenständig und doch zu zeitweiliger Verschmelzung bereit, geht es dem Lyriker. Um liebe-volle Begegnung womöglich auch mit allem, was lebt, und weiter: mit allem, was ist.

  Und selbst da, wo der Realismus die Sehnsucht deutlich hinterfragt, wo es keine Hoffnung mehr zu geben scheint, dürfen die Leser zwischen den Zeilen und in der Stille jenseits der Worte selber weiter suchen – und manchmal auch eine Andeutung des Autors finden; ein lyrisches Trotz-Alledem, Rufe im Niemandsland, wie im ersten Kapitel des Buches.

 

Worte aus Watte

In Blau und Rosa

Tanzen, schweben

Schwerelos

Sei freundlich

Sagen sie

Bleib heiter

Und

Fern

(Seite 23)

 

Dass im freien Übungsflug auch im Scheitern Gelingen liegt – diese Überzeugung wird in einem anderen der Gedichte nahegelegt (Seite 22). „Zwischen den Worten / liegt die Tiefe des Meeres…“ so beginnt ein Gedicht in Kapitel 2, „Wie eine Harfe im Wind“ (Seite 31).

Wenn Bartsch die Freude am Augenblick im Alltäglichen ver-dichtet, fühle ich mich an feine japanische Kurzgedichte erinnert, in denen nicht selten Sehnsucht und Humor sich die Hand reichen. Skizzen und Momentaufnahmen, hingetupft, die Leser zu erinnern, dass es so etwas auch in ihren Leben gibt. Wenn der Hund ihn vom bürgerlich brav zusammengekehrten Laub befreit. Wenn die aus dem Urlaub heim gebrachten Muscheln in sicherer und heimatlicher Distanz an das ferne Tosen da draußen erinnern.

(Seite 32 und 34)

Viele der Gedichte in diesem Band schlagen vor, sich trotz aller Wehmut über Unwiederbringliches und trotz aller schlechten Erinnerungen, nicht davonzustehlen; auch diese noch ins Erträgliche, in eine Chance zu wenden. So in meinen Augen auch dasjenige, das den Titel des gesamten Bandes trägt:

 

Erdrutsch der Zeit.Erinnerungen

Der Nachbar, der Kinderfeind

Meckert wieder

Weil einer von uns

Den Ball über den Zaun

Geschossen hat

Ja, Freunde, das müssen wir

Nicht anhören, wenn er wieder

Schreit: „Ihr Nichtsnutze, Bengel!“

Gehen wir also

Es ist ja schon Mittag

Bei mir gibt es heute

Gefüllte Pfannkuchen

Mein Lieblingsessen

Aber meine Eltern

Und Brüder

Warten nicht mehr

Auf mich

Ich werde sie mal wieder

Dort besuchen

Wo sie

Für immer schweigen

Ich hoffe, meine Frau

Begleitet mich

Also dann...

 

Andere wissen aber auch um die Situationen, in denen nichts mehr zu retten scheint: die Zerrissenheit der Frau am Morgen zwischen der Zärtlichkeit, die aus Gewohnheit zu ihm hinspricht und der geballten Faust, die sich selbst seinetwegen kaum erträgt (Seite 42). Absolute Wahrheiten gibt es nicht in diesen Versen, wie auch unser Leben eher aus den unterschiedlichsten Grautönen und nicht aus Schwarz und Weiß besteht. Nicht alle Worte, die im Nahbereich gefrieren (Seite 49), können wohl in eine gute Wendung geraten. Der Versuch lohnt sich jedoch immer.

 

Es gibt auch ver-dichtete Beschreibungen von Ausweglosigkeit, von Menschen, die diese Welt und mit ihr andere verarmen und zu Grunde richten. Hier und da übernehmen Ironie, sehr selten auch Sarkasmus die Feder.

 

Demagoge

Als sein überblähtes

Ego platzte

Kreischten begeistert

Seine Claqueure

Im Glauben

An die Geburt

Einer grandiosen

Vision 

(Seite 54)

 

  Was mich bei der Lektüre schließlich hingerissen zurückgelassen hat, ist die leise poetische Selbstverständlichkeit – mit der auch die tägliche Notwendigkeit zu schreiben beschrieben wird. Und selbst dann, wenn das Schreiben nicht gelingen will, das Vertrauen in die Wörter, in die Möglichkeit bestehen bleibt, diese Welt und das Leben zu ver-dichten:

 

Ein Gedicht

Fällt aus

Da es schläft

Und träumt

Ich rüttle es nicht

Und warte…

Vielleicht

Meldet es sich

Zu Wort

Irgendwann

Sofern es

Mich nicht

Vergisst

(Seite 89)


Neues Buch von Norbert Leitgeb

 

Oster-Krux

ISBN 978-3-903437-20-3

32 Seiten

 

TREBORN VERLAG

Norbert Leitgeb

Gerhart Hauptmann Gasse 16a

8042 Graz, Österreich

E-mail: [email protected]

 

 

 

Norbert Leitgeb, geboren in Klagenfurt, in Graz lebend, Universitätsprofessor für Health Care Engineering an der Technischen Universität Graz i.R., Schriftsteller und Gitarrist, Autor von über 310 wissenschaftlichen Fachartikeln

sowie 9 Fachbüchern und zahlreichen Fachbuchkapiteln, verfasst als Schriftsteller als Ausgleich zur nüchtern- wissenschaftlichen Exaktheit hintergründige, pointierte, doch stets unterhaltsame Gedichte, Kurzgeschichten und Essays, die in Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen sind, darüber hinaus 40 vorwiegend heitere belletristische Bücher, darunter die Trilogie mit heiteren Weihnachtsgedichten („Das Nadelöhr“, „Kerzenstille“, „Leuchtzeichen“), die Trilogie über Himmelsgespräche von Menschen und Tieren mit Petrus („Glut oder Wolke“, Chillen oder Grillen“, „Klopfgeräusche“) sowie die Jugendbücher „Feuereis“, „Gluttor“, „Dämmerland“ und die Märchenbücher „Simsalibam“ und Hokus Po-Kuss“, „Aber, Herr Doktor!“ (heiteres Ärzte-Buch) und „Tor.Schuss.Panik!“ (Fußball-Gedichte).


Gerta Ubl-Fahrngruber: Lachen im Kellerstüberl.

Kurzprosa, Aphorismen, Moritaten.

Privatdruck. Wien 2025, mit Aquarellen und Fotos der Autorin. 311Seiten. ISBN 978-3-9505558-9-9.

Kurze Buchvorstellung von Franziska Bauer

 

Neues von Gerta Ubl-Fahrngruber, die viele von ihren gemeinsamen Sketchauftritten mit Karl Pölzelbauer im Rahmen des literarischen Zirkels Ternitz kennen, gibt es auf 311 Seiten des obzitierten umfangreichen Privatdruckes zu sehen und zu lesen. Wen die von der Autorin gepflogene konsequente Kleinschreibung und bewusst fehlende Interpunktion nicht stören, den werden die im Buch vorgestellten Prosatexte, Sprüche, Aphorismen, Kurzgedichte, Liedtexte, Sketche und Dialoge mehr als einmal zum Lachen bringen, was erklärtermaßen ja ganz im Sinne der Autorin ist.

 

Gerta Ubl-Fahrngruber: Geboren am 22.8.1944 in Wien, aufgewachsen in Wien-Liesing, Wohnorte in Wien, Burgenland, Niederösterreich und Salzburg. Büroangestellte und Lehrerin, jetzt in Pension. 

Seit 1973 schriftstellerisch tätig: Lyrik, Kurzprosa, heitere Prosa, auch Mundart, Aphorismen, Haiku, Kinderreime und -geschichten. Einige Jahre Leiterin der Perchtholzdorfer Künstlerrunde. Eigene Lesungen in Wien, Burgenland, Steiermark, Niederösterreich und Salzburg.

 

Weiterführender Link: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D1044384980


Saisons de la vie - Jahreszeiten des Lebens: Aquarelles et poèmes

von Ilse Pauls 

Wolfgang HagerVerlag, deutsch-französische Ausgabe; ISBN-13: ‎ 978-3903443426, € 14,-

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Ilse Pauls 2025 erschienener zweisprachiger Lyrikband enthält einundzwanzig Gedichte im freien Reim und leider nur vier passende von eigener Hand ausgeführte Illustrationen. Eine Beurteilung der Qualität der Übersetzungen durch Chantal Adobati, die bis 2023 als Lehrbeauftragte am Wiener Romanistikinstitut tätig war, steht mir aufgrund mangelnder Französischkenntnisse leider nicht zu. 

Zitiert sei hier gleich einmal das Eingangsgedicht DER INNERE SEE auf Seite 12, das schon einem gleichnamigen Gedichtband aus dem Jahr 1993 den Titel gab:

 

Wenn es auch

außen brodelt

und stürmt

und wogt,

wenn die

Ereignisse

sich überstürzen,

und die Katastrophen dräuen

und die Depression

anklopft,

dann ist,

trotz allem,

tief innen

in mir

ein klarer,

ruhiger See,

aus dem ich

schöpfe:

Mut und Hoffnung,

Zuspruch

für andere –

und ein stärkendes Wort.

 

Was man VON DEN BÄUMEN LERNEN kann, lesen wir auf Seite 24, dazu passend der Olivenbaum auf Seite 27:

 

Stehen

musst du von den Bäumen lernen,

das Feststehen,

das Verwurzeltsein,

das Kraftholen

aus den Tiefen,

das Sichbiegenlassen

von den Stürmen,

das geduldige Tragen

der Schneelasten,

das Hinaufsehnen der Äste

dem Himmel zu.

 

Ilse Pauls bemüht sich, durch ihre auf den ersten Blick schlicht wirkenden Gedichte Einfachheit und Klarheit auch in die oft unergründlich scheinende Komplexität der Jahreszeiten unseres Lebens zu bringen. Eine mehrmalige Lektüre dieses Gedichtbändchens empfiehlt sich also durchaus.

 

Über die Autorin:

Geboren 1941 in Wien, nach Matura Diplom für Kinderkrankenpflege, verheiratet, vier Kinder. Lebt seit 1995 in Gablitz. Begann mit fünfzehn Jahren Gedichte zu schreiben, Publikation etlicher Lyrikbände. Aquarellmalen seit 1975, illustriert fallweise ihre eigenen Gedichte. Malt am liebsten im Freien, um die Harmonie der Landschaft festzuhalten.

 

Weiterführende Links: https://www.ilselyrik.com/

https://www.wolfgang-hager-verlag.at/saisons-de-la-vie-jahreszeiten-des-lebens-aquarelles-et-poemes.html 


Margit Margreiter: MÄRCHEN

Margit Margreiter im Eigenverlag, Innsbruck 2025

Druck: www.arnold-druck.at

 

In ihrem jüngsten Buch präsentiert Margit Margreiter mit ihren sechsundzwanzig Kurzgeschichten für Kinder zwar eher märchenhafte Impressionen als herkömmliche Märchen, diese sind aber gerade wegen ihrer Kürze zum Vorlesen bestens geeignet.

 

Das handliche Format und die lesefreundliche Schrift erleichtern die Lektüre, der Luxus eines Lesebändchens garantiert, dass man später dort weitermachen kann, wo man gerade aufgehört hat.

 

Besonders erwähnenswert ist das Märchen „Die Vergiss-

meinnichtwette“ auf Seite 17, in der ein unbedachter Schatz-meister den Schatz, den er für den König verstecken soll, zur Markierung just mit Vergissmeinnicht bepflanzt, die aber derart zu wuchern beginnen, dass sie ihre Signal-wirkung einbüßen.

 

Amüsant auch das Märchen „Die Maiglöckchen“ auf Seite 19, die den schlafenden und laut schnarchenden Frühling zwar nicht wachläuten, aber immerhin wachduften können. Auf Seite 67 erfahren wir schließlich, „Wie der Zitronenfalter zu seinem Namen kam.“ Der Text „Im Ameisenstaat“ auf Seite 31 greift sogar auf kindgemäße Art und Weise die Frage des Umweltschutzes auf.

 

Dem Lektorat allerdings ist leider entgangen, dass stellenweise Satzzeichen und Zusammenschreibung fehlen und vereinzelt auch Buchstaben vergessen wurden, was aber bei einer Neuauflage des Bändchens leicht zu beheben sein wird.

 

Zur Autorin: Geboren in Steyr, seit 2020 wieder zurück in ihrer Heimnatstadt, diplomierte Krankenschwester mit einer besonderen Liebe zur Natur, zahlreiche Publikationen und Lesungen in Seniorenheimen, Spitälern, Kirchen und Volksschulen und bei Kunstevents in Wien.                                                             Mail: margit.margreiter(at)gmail.com


"über(s)leben" ist ein Tanz aus Worten. Stille und Linien. Monika Mayer-Pavlidis webt in ihren Gedichten die Leichtigkeit des Momentes mit der Schwere des Seins. Die kunstvollen Kalligrafien von Renate Welte begleiten und vertiefen diese poetische Reise – für alle, die Leben in seiner Tiefe fühlen wollen: verletzlich, mutig, lebendig. (Klappentext des Stelling Verlags)

 

Monika Mayer-Pavlidis "über(s)leben". StellingVerlag Dalkendorf 2025,

ISBN 978-3-690-88026-8; €18,00

 

Buchbesprechung von

Franziska Bauer

 

Im Lyrikbändchen „über(s)leben“ von Monika Mayer-Pavlidis(mit illustrierenden Kalligrafien von Renate Welte)finden sich, wenn man ein unbetitelt gebliebenes Haikugedicht mitrechnet, 55 Gedichteauf 88 Seiten. Das Fehlen jeglicher Paginierung und das Nichtvorhandensein eines Inhaltsverzeichnisses machen das Auffinden und Zitieren einzelner Gedichte allerdings nicht gerade leichter. Dabei überrascht die Gedichtesammlung in gleich mehrfacher Weise durch ihre Vielfalt:Formal finden sich Reimgedichte neben freien Versen, thematisch gibt es Naturlyrik neben Gedankenlyrik,orthographisch entdeckt man durchgängige Kleinschreibung neben regelkonformer Großschreibung von Hauptwörtern. Charakteristisch, wenn auch unorthodox, die Tendenz der Autorin, den bestimmten Artikel einmal mehr wegzulassen als erwartet.

 

Zitiert sei hier das zweite im Buch gelistete Gedicht mit dem Titel WORTE:

 

Worte mäandern im Labyrinth der Gedanken

auf der Suche nach Sinn im Ausdruck,

unruhig kitzeln sie die Kehle, 

ungeduldig tanzend auf der Zunge, 

fliegen aus dem Kopf 

und 

leuchten in die Welt.

 

Beeindruckend in Stil und Metaphorik auch Gedicht Nummer 8, der TROPFEN:

 

Bedächtig, sein Fließen,

behutsam und sacht,

seinen Pfad suchend,

Umwege nehmend.

Glitzert auf,

vom Sonnenstrahl berührt,

prall – und doch fragil,

bis zur Spitze.

Spannung lässt nach,

Gewichtzu groß,

perlt ab.

 

Freier Fall!

 

Und hier noch Gedicht Nummer 22 – DIE STADT:

 

Im Kopf herrscht Leere,

Schweben im Nichts.

Straße grau, nasses Band.

Nach rechts und links

ächzen Scheibenwischer,

nüchtern graue Häuserfronten

säumen menschenleere Stadt.

Rotes Ampellicht wie Leuchtturm

umfängt meine Gedanken.

Kurzes Durchatmen,

Klimaanlage bläst Einsamkeit ins Gesicht,

falsch abgebogen.

 

Die thematische und gedankliche Vielfalt des Gedichtbandes „über(s)leben“ lässt eine mehrfache Lektüre empfehlenswert erscheinen, womöglich mit Lesezeichen an den Lieblingsstellen zur deren leichterer Auffindbarkeit.

 

Monika Mayer-Pavlidis,geboren 1963 in Bregenz (Österreich), verbindet Tanz und Sprache als künstlerische Ausdrucksformen. Sie absolviertebis 1990 verschiedene Tanzausbildungen, danach übte sie auch choreographische Tätigkeiten aus. Sie schreibt seit 2007 und hat im Jahr 2020den Lyrikband "Mutausbruch" und im September2025die Gedichtesammlung "über(s)leben" publiziert.

 

Weiterführender Link: https://www.monikamayerpavlidis.eu/



 

ANDERES, Politische Lyrik

von Sybille Fritsch; Geest-Verlag 2025,

ISBN 978-3-69064-525-6

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Gleich eingangs formuliert die schreibende Theologin und Philosophin Sybille Fritsch das Postulat, dass Lyrik das Bild eines ständigen Entwicklungsprozesses hin zu Frieden und Freiheit sein müsse, was bereits als eine Hinführung zur politischen Lyrik gelten kann. Die Autorin fragt sich, ob uns heutzutage grundlegende Werte, die sich über Worte transportieren, verloren gehen und ob wir Menschen durch den Verlust der Sprachbedeutung auch Moralität und Glauben verlieren.

 

Schon im Vorspann heißt es, dass das Buch „denen am Rande“gewidmet ist,

 

denen am Rande,

die ihre Fahne nicht in den Wind hängen

Gefährten und Gefährtinnen auf dem Weg ins Freie,

allen, die Recht nicht mit recht haben verwechseln

und Abwesenheit von Krieg nicht mir Frieden,

den Freunden und Freundinnen unter Mensch,Tier,

Baum und Stein.

Allem Fremden, das mich infrage stellt

und in Antworten treibt.

 

Die 110 Seiten des Lyrikbandes teilt die Autorin in drei Abschnitte: Flucht Heimat Recht Krieg (ab Seite 10), Klima mit Welt Revolution (ab Seite 34), und Frieden Krieg Verzeihn Shalom (ab Seite 54).

Diesen drei Abschnitten stellt sie auf Seite 9 eine wesentliche Aussage voran:

 

Die Wahrheit kehrt sich gegen sich,

wenn sie den Wandel Lügen straft.

 

Illusionslos beschreibt sie auf Seite 30 beispielsweise die nur allzu gängige Haltung Flüchtlingen gegenüber:

 

Europa will keine Flüchtlinge

schon gar nicht mir schwarzer Haut

Polen will herzlich gerne Flüchtlinge aus der Ukraine

aber bitte mit weißer Haut

 

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt

 

Die Erde hört auf sich zu drehn

alle Zeit steht still: wieder Krieg in Europa

Was machen nur Zeit und Erde

während all der anderen Kriege …

 

Ebenso illusionslos und ziemlich ratlos nimmt die Autorin im Gedicht Großwetterlage auf Seite 52 zum Klimawandel Stellung:

 

Großwetterlage

will nicht weichen

Das Klima schwankt

von Dürre zu Flut

Mir fällt der Himmel auf

den Kopf: vor Nebel seh ich

keinen Horizont

 

In den „Vier Haiku über eine Neue Welt“ auf Seite 77 schildert die Autorin dann jedoch auch ihre hoffnungsvollen Wunschträume:

 

Ich träume immer

von einer Welt ohne Krieg -

wo alle lieben

 

Ich träume manchmal

von einer Welt ohne Not-

wo alle teilen

 

Ich träume heute

von einer Stadt voll Gesang-

wo alle lachen

 

Ich träume immer

von unserm Dorf voller Glück-

wo alle leben

 

Die politische Lyrik von Sybille Fritsch erzeugt tiefe Nachdenklichkeit, mahnt notwendige Lösungsansätze ein, schärft den Blick für Wesentliches und gibt dadurch auch Hoffnung auf bessere Zeiten. Meine absolute Leseempfehlung für diesen Gedichtband, den man sicher gerne mehr als einmal zur Hand nimmt.

 

Zeitgenössische Lyrik und vieles mehr - es liest Boris Greff

Beschreibung Zeitgenössische Lyrik, die ich vortragen darf, weil befreundete Autoren und Verlage es mir erlaubt haben

https://youtu.be/BbpWQ-Hpb4Q?si=JerGPnbz5Z0xaEhk


keine Rücksicht auf Naturgesetze

Gedichte von Valerie Travaglini

Bucher GmbH & Co. Druck Verlag Netzwerk 2017, ISBN‎ 978-3990184325, 96 Seiten; € 14,80
Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Die ausschließlich im freien Reim verfassten Gedichte Valerie Travaglinis sind klar in der Aussage, scharfsinnig, stellenweise humorvoll, in einigen Fällen auch berechtigt bitter. Sie regt uns mit ihrer Lyrik zum Nachdenken und Nachempfinden an und gewährt tiefe Einblicke in die menschliche Natur.

Auf Seite 15 beschreibt sie beispielsweise die Bedeutung, die der Faktor Zeit für uns haben kann:

 

die Dinge

scheinen

erst bedeutend

zu sein

wenn sie

zur Erinnerung

geworden

sind

 

Und auf Seite 23 heißt es über das Glücksschwein:

das Glücksschwein

unterwegs

ins Neue Jahr

gehegt

gepflegt

gehätschelt

schon zu Ostern

wird es

als Schnitzel

serviert

 

Auf Seite 69 merkt die Autorin im Gedicht Trampelpfad selbstironisch an: 

auf dem

Trampelpfad

meiner Gutmnütigkeit

herrscht

reger Verkehr

 

Wie breit sich der Themenbogen des Lyrikbandes spannt, zeigt das Gedicht Friede auf Seite 13, mit dem die Autorihn uns Hoffnung gibt und das Anbrechen besserer Zeiten verspricht:

der Friede erhebt sich

über richtige und falsche Götter

erhebt sich

aus zertretenen Hungerblümchen

und zerbrochenen Blumentöpfen

der Friede

erhebt sich mit den ersten Winden

eines beginnenden Tages

legt sich über Dünen

Wüsten und Fichtenwälder

lässt Gepeinigte aufatmen

und die Amsel

ihr schönstes Lied anstimmen

lässt Wunden heilen

und Hoffnung aufflammen

lässt brombeerfarbene Jahre vergessen

und Blut versickern

lässt Menschen

wieder daran glauben

dass die Idee des Lebens

die Freude ist

und das Herz

das wichtigste Organ

 

Über die Gedichte Valerie Travaglinis wäre noch viel Positives zu sagen, am besten, Sie nehmen ihre Gedichtsammlung selbst zur Hand, und das wiederholt, um aufmerksam darin zu lesen.

Zur Autorin:

Waltraud Travaglini-Konzett, die unter dem Pseudonym Valerie Travaglini veröffentlicht, ist 1964 geboren und zwischen den schroffen Felsen des Klostertals in Vorarlberg groß geworden. Sie arbeitet in Dornbirn, einer Kleinstadt an der Ach, dem Fluss, der ihr immer wieder Inspiration bietet.

Sie kümmert sich beruflich als Assistentin um Erneuerbare Energie und Klimaschutz und unterrichtet Italienisch in der Erwachsenenbildung. Sie ist Mitglied bei Literatur Vorarlberg und Preisträgerin bei diversen Literaturwettbewerben. Ihr Debutroman „Lebensgeister“ ist als Ebook bei ePubli Berlin

erschienen.

Weiterführender Link:

https://literatur-vorarlberg.at/mitglieder/travaglini-konzett-waltraud/ 

 


Judith Maria Konzett: Erinnerungen beim Essen von Maulbeeren
Gedichte und Haikus quer durch den Gefühlsgarten.
epubli Berlin, Erscheinungsdatum 14.11.2024, ISBN: 9783818718787; € 8,99

Buchbesprechung von Franziska Bauer


Wie im Subtitel angekündigt, finden sich in der ersten Hälfte des Bändchens Gedichte im freien Reim, ab Seite 61 dann Haikus. Was beide von der Autorin verwendetenTextarten gemeinsam haben, ist, dass sie trotz ihrer Kürze erstaunlich klare Bilder vor dem lesenden Auge zeichnen, vergleichbar den Schnappschüssen eines Fotografen, der es versteht, im richtigen Moment abzudrücken.


Das kurze Gedicht „Schwer verdaulich“ auf Seite 8 hat dabei durchaus die Qualität eines Bonmots:

Dass die Liebe
durch den Magen geht
das hoffen wir
mangels der Worte
die unter die Haut gehen.

Treffend auch Judith Maria Konzetts Definition des Begriffes Glück auf Seite 33:

 

Auf dem Glatteis
der Zeit
mit heiler Haut
durch das Jahr schlittern.

 

Auf Seite 21 holt die Autorin den Klassiker von des Kaisers neuen Kleidern in die Gegenwart:

Solidarität
Mitgefühl
Hilfsbereitschaft
Zivilisation und Weitsicht

all diese Kleider
entworfen von gut bezahlten
PR-Agenturen
schon lange sehen wir:
der Kaiser
ist nackt.

 

Das titelgebende Gedicht „Erinnerungen beim Essen von Maulbeeren“ schließlich findet sich
auf Seite 33:

Ein Junge
der Maulbeeren sammelt
auf der schattigen marmornen Bank
eine verschleierte Frau
schüchtern nähert er sich
dem Kuchen
dem süßen Tee
den sie anbietet
die Frau weint
er versteht ihre Worte nicht
nur die Trauer
versteht er
seinen Blick gesenkt
auf Kuchenkrümel
in den von Beeren
fleckigen Händen.

 

Alles in allem ist das Gedichtsbändchen Judith Maria Konzetts überaus lesenswert und sollte
durchaus mehr als einmal zur Hand genommen werden.

Judith Maria Konzett


Judith Maria Konzett, geboren 1965, aufgewachsen in einem Dorf im Klostertal, ist Mitglied
der Schreibwerkstatt Feldkirch und der Gesellschaft der Lyrikfreunde. Nach Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Anthologien sind nun erstmalig auch eine Auswahl ihrer Gedichte im Lyrikband Erinnerungen beim Essen von Maulbeeren erschienen. Judith Maria Konzetts Gedichte sind inspiriert vom Alltag, der Natur und Gefühlen, die sie in Worte zu fassen versucht, bevor sie wieder verblassen.


"über(s)leben" 

Lyrikmomente und Kalligrafie

 

Monika Mayer-Pavlidis

Kalligrafie: Renate Welte

Verlag Stelling; ISBN 9 783690 880077

Erschienen im Juli 2025

 

"über(s)leben" ist ein Tanz aus Worten. Stille und Linien. Monika Mayer-Pavlidis webt in ihren Gedichten die Leichtigkeit des Momentes mit der Schwere des Seins. Die kunstvollen Kalligrafien von Renate Welte begleiten und vertiefen diese poetische Reise - für alle, die Leben in seiner Tiefe fühlen wollen: verletzlich, mutig, lebendig. (Stelling Verlag)

 

https://www.monikamayerpavlidis.eu

 


Kurt F.Svatek: Kein Adler fliegt so hoch wie die Träume
/Kejn odler flit nit asoj hojch wi di chalojmeß.

Gedichte Deutsch-Jiddisch. Edizioni Universum,März 2025;

168 Seiten, EUR 19,90, ISBN: 9791282016094
Lektorin für den jiddischen Text: Sophie Lichtenstein

Buchbesprechung von Franziska Bauer:

Aufmerksam wurde ich auf das neue Buch des von mir sehr geschätzen Autors Kurt F. Svatek im September 2025 bei einer Lesung der Plattform Bibliotheksinitiativen unter dem Motto „Mehrsprachig“, wo er es vorstellte, was mich bewog, das Buch umgehend zu lesen.

 

Für die passende Einstimmung sorgt das fünfseitigeVorwort mit relevanter philologisch-historischer Information über das Jiddische: Wenn ein Wiener „a Masl“ hat und ein Berliner etwas „dufte“ findet, verwendet er jiddische Wörter, wahrscheinlich, ohne dass es ihm bewusst ist. Wir erfahren, dass das vom Deutschen beeinflusste Westjiddisch nur mehr als Restkompetenz von geschätzt 5000 Sprechern beherrscht wird, das an slawischen Elementen reiche Ostjiddisch hingegen immerhinnoch von 1,5 Millionen.

 

Kurt Svatek zitiert in seinem Vorwort auch den jiddischen Mark Twain – Scholem Alejchem: Ihm verdanken wir die Figur des Milchmannes Tewje, den wir alle aus dem Musical Anatevka kennen. Die farbenprächtigen Illustrationen unter den Gedichten sind Gemälde von sieben im Impressum aufgelisteten Künstler(inne)n.

 

Vielfältig in Stilistik und Themenstellung sind die auf 168 Seiten vorgestellten Gedichtblöcke, welche jeweils von einem jiddischenSprichwort eingeleitet werden:  

S.19: Selbst die teuerste Uhr /hat nicht mehr als sechzig Minuten

Afile der rajchßter sejger/ hot nit mer wi sechzik minut

S.51: Keiner weiß, wie der Schuh drückt, /nur wer ihn trägt

Kejner weyß nit wemen der Schuch kwetscht, /nor der woß gejt in im

S. 89: Braucht man Honig, wenn Zucker süß ist?

Badarf men honig, as zucker is siß?

S. 119: Im Spiegel sieht einer seinen besten Freund

In dem schpigl set jeder ejner sajn beßtn frajnd

 

Den Abschluss bildet ein Abschnitt, den der Autor „Kleine Gedanken“ nennt, und ganz am Ende lässt er, wohl um dem Buchtitel gerecht zu werden, Gottfried Ephraim Lessing zu Wort kommen – S. 166-167:

Der Adler

 

Man fragte den Adler:

Warum erziehst du deine Kinder so hoch in der Luft?

 

Der Adler antwortete:

Würden sie sich, erwachsen,

so nahe zur Sonne wagen,

wenn ich sie tief an der Erde erzöge?

 

Der odler

 

Hot men gefregt dem odler:

farwoß derzist du dajn kinderasoj hoich in der luftn?

 

Hot der odler geentfert:

 

Wen sej sajnen derwakßn,

weln sej sich wagn asoj noent zu der sun,

wen ich hob sej derzogn tif aoif ojf der erd?

 

Die inhaltlich dichten Verse Kurt Svateks regen zum Nachdenken an und sind an sich schon eine lohnende Lektüre, aber auch das Vergleichen mit der jeweiligen jiddischen Fassung steht durchaus dafür, ermöglicht es doch vielfach das erstaunte Wiedererkennen der jeweiligen deutschen Gedichtzeilen. Gar so fremd ist uns das Jiddische also eigentlich nicht!

 

Kurt F. Svatek, Jahrgang 1949, lebte und arbeitete seit 1973 fast vier Jahrzehnte als Pädagoge im südlichen Niederösterreich und kehrte dann wieder in seine Geburtsstadt Wien zurück. Er veröffentlichte bisher Gedichtbände, Limericks, Aphorismen, Essays, Kurzgeschichten, Haiku und zwei Romane, einige sprachwissenschaftliche Arbeiten und ein Schulbuch und ist Mitherausgeber der Anthologie „Unser Europa“. Seine Texte sind in unzähligen Zeitschriften und Anthologien vertreten und finden sich nicht nur in allen Weltsprachen, sondern etwa auch auf Mongolisch, Sizilianisch oder Afrikaans. Er erhielt eine stattliche Anzahl an Ehrungen, Preise und Auszeichnungen und wurde auch von diversen Fachmagazinen zum international besten Lyriker des Jahres gewählt. Kurt F. Svatek ist auch freier wissenschaftlicher Mitarbeiter des IPTRC (International Poetry Translation and Research Centre) der Universität Chongqing und Obmann-Stellvertreter der Bibliotheksinitiativen Wien und war über zwei Jahrzehnte Vorstandsmitglied des Niederösterreichischen und Österreichischen P.E.N.-Clubs (als Schatzmeister und Vizepräsident).

 

Weiterführender Link:

https://www.steirische-autoren.at/mitglieder/ordentliche-mitglieder/svatek/


Tor . Schuss . Panik

 

Fußball bewegt, keine Frage. Die Fans, die Funktionäre, die Veranstalter, die Medien, die Wirtschaft – und sogar die Spieler – auch wenn das “Rasen” im

Rasensport mit deren Bewegungsgeschwindigkeit nur wenig zu tun hat.

Neben sportlichen und wirtschaftlichen Aspekten bietet Fußball aber vor allem auch Unterhaltung, von Drama und Krimi über Sieg und Niederlage bis zu Schmierentheater und Slapstick, doch was es, von unfreiwilliger Komik abgesehen, kaum gibt – ist Humor!

Also genug Gründe, um dem Defizit abzuhelfen, das Thema Fußball heiter zu behandeln und auf 219 Seiten in unterhaltsame Reime zu gießen.

- Norbert Leitgeb -

 

Erstausgabe 2025

219 Seiten

Covergestaltung: Norbert Leitgeb

Illustrationen: Norbert Leitgeb

© Norbert Leitgeb

 

Buchbestellungen direkt über [email protected] (mit gratis-Postversand) oder über den Buchhandel: ISBN 978-3-903437-17-3


Was uns fremd erscheint, wirft Licht auf unsern Schatten.

ZWISCHENTÖNE

 

Sybille Fritsch, Hannover und Windheim-Petershagen, liest neue Gedichte aus ihrem zweiten beim Geest-Verlag Visbek erschienen Band mit politischer Lyrik in mystischer Tradition. Texte zwischen Ost und West, Himmel und Erde, zwischen Aufbruch und Umbruch, Heimat und Flucht, Mitwelt und Mitmensch, Krieg und Frieden.
Texte, die die Muße und den Aufstand bringen, der in unseren Zeiten notwendig ist.


Sie ist vielen Leserinnen und Lesern als Lyrikerin, Philosophin und Religions- und Kulturwissenschaftlerin bestens bekannt. In Lyriksammlungen und mit Einzelveröffentlichungen ist sie seit 1980 im literarischen Bereich vertreten.
„DA!“ war der Titel ihres letzten Bandes, der zu Beginn des Jahres 2024 im Geest-Verlag erschienen ist. Er weist auf die Auseinandersetzung der Autorin mit fernöstlichem, besonders zen-buddhistischem Gedankengut und mystischen Traditionen hin.


Der neue Band ist ebenfalls sprachlich äußerst einfühlsam gelungen. Er kann in der augenblicklich komplexen gesellschaftlichen Situation mit dazu beitragen, verantwortliche Positionen zu entwickeln.
In beiden Bänden schlägt die Autorin wohltuende „Zwischentöne im Niemandsland“ an, die dem Leser die Möglichkeit schaffen, ethisch verantwortbare Positionen in einer sich zerstörenden Welt zu entwickeln: „Und nehmen uns Zeit zum/ Danken und Freuen /ganz Hier und Heute:/wir sind, wir leben, wir atmen.“


Willkommen in der Lyrikwerkstatt

von Franziska Bauer

 

Reiseführer in die Welt der Poesie, farbig illustriert auf hochwertigem Bilderdruckpapier, Softcover matt, DIN A4, Drahtheftung, 48 Seiten


Mit konkreten Tipps und Ratschlägen heißt die Autorin Franziska Bauer all jene in ihrer Lyrikwerkstatt willkommen, die Gedichte lieben und auch selbst welche zu verfassen gedenken. Dabei schärft sie anhand ausgewählter Beispiele den Blick für die verschiedenen Arten von Lyrik und lenkt ihn auch auf das Handwerkliche, das man beherrschen sollte, ehe man die Reise in die Welt der Poesie antritt.

Erscheinungstermin ca. Ende August 2025.
Vorbestellungen sind ab sofort möglich!

Wenn Sie von außerhalb Deutschlands bestellen, beachten Sie unbedingt die Lieferbedingungen unterhalb des Buttons „In den Warenkorb“. Vielen Dank!

 

Artikelnummer:
ISBN 978-3-948552-60-2
Preis: 16,90 €



Pohlmann Verlag

 


Franziska Bauer:

Fabeln, Märchen, Sagen in Verse übertragen

102 Seiten, mit 40 Abbildungen, Pohlmann Verlag, Bad Laer,

ISBN: 978-3-948552-57-2

 

Märchen, Sagen und Legenden gehören zum Kulturgut eines jeden Volkes und spiegeln die jeweiligen Landstriche und Landschaften. Daher sind sie auch seit jeher bei Jung und Alt beliebt. Viele sind allgemein bekannt, viele beschränken sich auf eine ganz bestimmte Umgebung, die durch widersprechende Gestalten und Begebenheiten so auch für Fremde gut charakterisiert wird. Für C. G. Jung bieten sie Einsichten in die seelische Grundkonzeption und das Unbewusste des Menschen.

 

Die Sprache ist meist realistisch und in einem Stil, der sich der Alltagssprache annähert. Und hier geht Franziska Bauer einen ganz neuen Weg und erzählt alte Märchen nicht nur neu, wie der Untertitel des Buches lautet, sondern schmiedet sie in Verse. Dadurch werden die Texte sofort ins Poetische überhöht. Auch durch die schönen und teilweise witzigen Abbildungen.

 

Wir finden bekannte Märchenmotive, oft in neue Zusammenhänge gebracht, Legenden aus der Heimat der Autorin, aber auch neu erfundene Versmärchen. Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel: Zum Einstieg, Willkommen in Eisenstadt, Märchen aus dem Burgenland, Märchen aus alles Welt und Nachdenken und Sprichwörtliches.

 

Im ersten Kapitel sind bekannte Motive wie der Goldesel (Seite 33) dargestellt, aber auch Aladdins fliegender Teppich (Seite 10) oder der Froschkönig (Seite 31) werden neu und zeitgemäß interpretiert, wie vom Dukatenbaum berichtet, den es wirklich gibt, und der in Feng-Shui für finanzielles Glück steht.

 

Und ehrlich gesagt, gibt es doch wirklich viel mehr Männer, die sich in einen Frosch verwandeln, als Frösche in Prinzen.

 

Zwei Kapitel widmet die Autorin ihrer näheren Heimat. In Eisenstadt etwa einem Friseur, der das gesammelte Haar zu reißfesten Tauen verarbeitete (Seite 41)und damit sogar dem Kaiser dienen konnte. Die Märchen und Sagen aus dem Burgenland sind sogar zweisprachig verfasst, auf Hochdeutsch und den nordburgenländischen Dialekt, was nicht nur für die burgenländische Leserschaft sehr reizvoll ist. Man erfährt vom Bergmännchen von Eisenstadt (Seiten 44-45), das Berimandl, aber auch vom Kümmerlingsstein in Kleinhöflein (50, 51) oder vom Wasensteffl (56,57).

 

Auch außerhalb des Burgenlandes kennen viele den Purbacher Rauchfangtürken (53-55). Wie oft ist einer da nicht schon vorbeigefahren und hat nach ihm Ausschau gehalten, dem Türken, der sich im Rauchfang versteckt hatte und heute noch hinunterschaut. Längst natürlich aus Stein.

 

Das Kapitel Märchen und Fabeln aus aller Welt entführt uns beispielsweise in die Welt der russischen Märchen, etwa zu dem Prolog zu Puschkins Poem Ruslan und Ljudmila, ein Text, der ihn wohl erst so richtig berühmt gemacht hat. Dick Whittington und seine Katze (68-72) wiederum spielt in London, Die Sage vom Riesen Fußsteig in Nordirland, 80 Kilometer von Belfast.

 

Das Einhorn im Garten (76-78) basiert wiederum auf einer bekannten Kurzgeschichte des US-amerikanischen Autors James Thurber aus dem Jahr 1939.

 

Natürlich dürfen auch die norwegischen nicht gerade intellektuellen Trolle (79-82) nicht fehlen.

 

Der letzte Abschnitt lädt besonders zum Nachdenken an, was ja auch neben dem Amüsement der Sinn von Fabeln ist. Man begegnet dem wohlbekannten Text Des Kaisers neue Kleider (85), sinniert über den Hahn am Mist (86, 87) in seinem Größenwahn und über viele Dinge, die uns leider tagtäglich begegnen, Speichelleckerei, Machtmissbrauch oder Krieg.

 

So kann man nur mit den Zeilen aus Entzauberung (Seite 85) abschließen:

 

Man soll nie mit den Wölfen heulen.

Das ist von Schaden, zweifelsfrei!

Stützt euch im Urteil auf die Säulen

Eurer Vernunft – und denkt dabei!

 

Also, nachdenken, nachdenken, nachdenken! Das Buch regt uns dazu bestens an, aber machen müssen wir das schon selbst!

 

Kurt F. Svatek 



Thomas Adamek: Nacht. Ein Gedicht.
Erscheinungstermin 29. April 2025, 114 Seiten; Taschenbuch €8,79
Gedruckt in Polen, Wrocław, by Amazon Fulfillment;

ISBN-13: 979-8317248154
(Der Autor präsentiert mit diesem Taschenbuch eine Überarbeitung der ‏1. Edition, die bereits am 26. März 2021 bei Ruhland als Hardcover erschienen ist.)

Thomas Adameks rätselhafte Verserzählung NACHT erschließt sich erst nach gründlicher, wenn nicht sogar mehrmaliger Lektüre. Der Klappentext beschreibt den Text als eine dunkle Liebesgeschichte, in der sich Begierde mit Wahnsinn vermählt. Der Autor realisiert meisterhaft sein auf Seite 111 formuliertes Vorhaben, „eine gute Story in gereimte Verse zu packen und sie am Ende mit einem möglichst unvorhersehbaren Twist ausklingen zu
lassen“. Mit mehrmaligem auch im Print sichtbar gemachtem Perspektivenwechselgelingt es ihm, den Spannungsbogen bis auf die letzten Seiten zu halten. Der Protagonist, ein Kunsttischler, kleidet seine Liebeserklärung in die Gestaltung herrlicher Schnitzereien auf einem meisterhaften Schrank, den er für seine Angebetete fertigt und mit denen er ihr Herz gewinnt. Zu verraten, welche Rolle deren Vater dabei spielt, hieße, die Handlung zu „spoilern“ und den Leser(inne)n den Spaß zu verderben, den sie bei der Lektüre des Werkes haben werden.

 

Der Autor sagt im Nachwort selbst, er wollte vorbei am Mainstream etwas Außergewöhnliches schreiben, indem er das Nischengenre Lyrik bedient, was ihm bestens gelungen ist. Wer will da sagen, dass gekonnte Verserzählungen nicht in unsere mitunter allzu prosaische Gegenwart passen?

 

Für die nächste Auflage wäre ein gründlicheres Lektorat wünschenswert.

 

Über den Autor:

 

Thomas Adamek, 1978 in Wien geboren, begann schon im Kindesalter Kurzgeschichten zu schreiben und fand durch den Deutschunterricht im Gymnasium auch seine besondere Leidenschaft für Lyrik. Er arbeitet hauptberuflich als Behindertenbetreuer, ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Niederösterreich.

 


Ingeborg Kraschl:

Licht über dem Schatten

 

Erzählungen und Lyrik. Gedanken.

Innsalz Verlag 2025, ISBN: 978-3-903496-36-1;

Hardcover, 218 Seiten, € 18,90

 

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Schon der Titel dieser durchaus lesenswerten und zum Nachdenken anregenden Mischung aus Lyrik und Kurzprosa ist programmatisch: Er lautet „Licht über dem Schatten“: So hell das Licht auch sein mag, es kann den Schatten niemals völlig ausleuchten, vieles bleibt für das Auge in rätsel-haftem Dunkel.

 

Die Erzählungen sind thematisch vielfältig, Familiensagas wie die einleitende titelgebende Kurzgeschichte wechseln ab mit Kurzkrimis (S.79 „Das Schlösschen“), Humoristischem (S.188 „Aus der Zeit gefallen“, wo ein Campingurlaub beschrieben wird), Abhandeln der Covidpandemie (S. 108 „Traum im Schnee“) und auch Phantastik (S.167 „Ein besonderer Abend“, wo der Geist eines Verstorbenen mit seiner früheren Familie Weihnachten feiert) und Dystopie (S. 142 „Traum“, wo Denken gesellschaftlich als Viruserkrankung eingestuft wird) sind vertreten.

 

Beeindruckend ist vor allem die Metaphorik der zwischen die einzelnen Kurzgeschichten eingestreuten reimlosen Lyrik, so beispielsweise auf S.7 im einleitenden Gedicht „Meine Wörter“ –

 

… und am Straßenrand

rufen mir Wörter zu

mich zu bekleiden

dort wo meine Nacktheit

den Schmerz in Liedern birgt ...

 

oder auf S.149 im Gedicht„Krieg“, das hier in voller Länge zitiert sei:

 

Gefesselte Herzen

verschlossene Münder

kein Atem mehr

für den Schrei

 

wir begegnen einander

im Schatten

einer sich

verbergenden Sonne

 

(P.S.: Ein sorgfältigeres Lektorat hätte dem Manuskript allerdings nicht geschadet!)

 

Klappentext:

Immer wieder ist es eine gewisse Sehnsucht, der man in den hier versammelten Erzählungen und Gedichten begegnet. Eine Mutter, die unter der Entfremdung ihrer erwachsenen Tochter leidet, ein zauberhaftes Schlösschen, dessen Geheimnis eine Frau in ihrer eigenen Geschichte ergründet, ein Anklingen von Problemen und ihre Lösungsversuche, Erinnerungen und Rückblicke, die der Vergangenheit versöhnend und auch mit einem Lächeln gegenübertreten. Gedichte begleiten die Erzählungen, indem sie sich den verschiedenen Themen annähern. Damit versucht Ingeborg Kraschl, einen reizvollen Zusammenhang zwischen Lyrik und Prosa zu gestalten.

 

Über die Autorin Ingeborg Kraschl:

Geboren in Linz, Nach der Matura Studium der Deutschen Literatur und des Sports in Wien und Salzburg, 2 Jahre Schauspiel am Mozarteum, Mutter von vier Kindern, Gymnasiallehrerin in der Stadt Salzburg, wohnhaft in Bergheim. Schreibt Lyrik und Prosa. Zahlreiche Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften. Mitglied der Salzburger Autorengruppe, des Österreichischen Schriftstellerverbandes und der Gesellschaft der Lyrikfreunde.


Jursa, Elisabeth M.

Das Leben webt sich

Lyrik

13 x 21 cm, 96 Seiten, Pappband

mit Fotos von Elisabeth M. Jursa

ISBN 978-3-903354-53-1

 

Rezension von Michael Voldrich:

 

Die Autorin setzt in ihren Gedichten hier auf den Augenblick (die Gegenwart ist unser Stoff/ das Leben webt sich [Seite 5]) – á la Carpe diem (Pflück den Tag) von Horaz - und vertraut konkret vornehmlich auf Reiseerlebnisse und davon angestoßene Reifeprozesse.

 

Ausgehend von Phänomenen der Natur und anthropologischen Gegebenheiten des

Menschseins bettet die Lyrikerin Jursa Strebungen des Einzelnen in Gemeinsam-

und Gemeinschaftlichkeit ein. Ohne jedoch didaktisch belehrend zu werden, bleibt

sie bei sich (bin der Regen der sich aus Wolken ergießt [S. 9]). Das lyrische Ich wird von ihr stellenweise wie hier mit Hermann-Hesse-like pan-theistisch anmu-tenden Gefühlen identifiziert.

 

Über alledem steht aber Mut (zum Risiko):

ich entscheide / ohne das Danach zu kennen [10]

Die Lektüre dieses Büchleins lohnt sich allemal.

 


Franziska Bauer: Bunter Mix aus Limericks

 

Mit ihrem Werk „Bunter Mix aus Limericks“ legt Franziska Bauer eine vergnügliche Sammlung von 111 Limericks vor, die nicht nur zum Schmunzeln einladen, sondern auch den Zeitgeist zwischen August und Oktober 2024 einfangen. Die Autorin bewegt sich dabei gekonnt zwischen humorvoller Leichtigkeit und pointierter Gesellschaftsbeobachtung.

 

Sie behandelt eine große Bandbreite an Themen: vergessene Regenschirme, explodierende Eier in der Mikrowelle, stinkende Socken und nächtlicher Starkregen reihen sich nahtlos an tagesaktuelle Beobachtungen wie Klimaveränderungen und gesellschaftliche Klischees.

 

Besonders gelungen ist der spielerische Umgang mit Wortwitz und überraschenden Wendungen, die den Limerick als Kunstform auszeichnen. Herausgeschrieben habe ich mir: „Ein Echslein ist kein Alligator.“

 

Eine besondere Stärke des Buches ist die gelungene Verbindung von Text und Bild. Ob zu jedem Bild ein Limerick geschrieben wurde oder umgekehrt für jeden Text ein Bild gewählt – diese Frage bleibt offen. Die Illustrationen unterstreichen die humoristische Note der Gedichte und sorgen für ein visuelles Vergnügen, das die Wortspiele der Limericks noch lebendiger macht.

Eine Leseprobe:

 

Nächtlicher Starkregen

 

Neulich nächtens, da musste Herr Menken

sich aufs einfache Liegen beschränken.

Denn der Regen am Dach

machte derartig Krach,

dass ans Einschlafen gar nicht zu denken!

 

Franziska Bauer beweist mit diesem Buch ihr Gespür für die feine Balance zwischen Nonsens und Tiefgang. „Bunter Mix aus Limericks“ ist eine unterhaltsame Sammlung für alle, die Wortspiele und treffsicheren Humor zu schätzen wissen. Ob zum eigenen Vergnügen oder als Geschenk – dieses Buch bietet kurzweilige Unterhaltung mit Esprit.

 

-Andrea Herrmann-

Herausgeberin des Literaturmagazins VEILCHEN

 

Franziska Bauer: „Bunter Mix aus Limericks“

Taschenbuch, 130 Seiten

Pohlmann Verlag, 2024

ISBN: 978-3-948552-52-7


Kurt E. Svatek: Auch Noten schreiben Geschichten.Anekdoten, Geschichten und Überlegungen aus der Welt der Musik.

Edizioni Universum 2024, ISBN 9791282016025; €19,90

 

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Kurt E. Svatek, der auch übersetzerisch tätige Autor zahlreicher Bücher und Träger mehrerer Literaturpreise, erörtert in diesem im Oktober 2024 erschienenen Buchband das Thema Musik. „Ohne Musik, wie wäre die Welt stumm“, heißt es auf Seite 12.So stellt er neben der Präsentation interessanter Fakten und amüsanter Anekdoten aus dem Bereich der Musikgeschichte auch die Frage, wem auf der Bühne der Vorrang gebühre, dem Wort oder der Musik (S. 22), und zitiert in diesem Zusammenhang den Ausspruch des Wiener Operndirektors Franz Schalk, das Theater sei ein Narrenhaus, die Oper aber sei die Abteilung für Unheilbare (S. 54). Wie eine Langzeitstudie an der Universität Florenz ergab, reagieren sogar Pflanzen auf Beschallung mit Musik (S. 49), sie kurbelt offenbar Stoffwechsel und Wachstum an. Debussy schließlich nannte die Musik eine geheimnisvolle Mathematik, deren Elemente am Unendlichen teilhaben (S.119).

 

Daneben erfahren wir auch wenig bekannte Details aus der Musikgeschichte.

Wussten Sie beispielsweise, dass das bekannte Lied „O sole mio“ von seinem neapolitanischen Komponisten Eduardo di Capua in Odessa erdacht wurde (S. 79), oder dass es ein berührungslos gespieltes Instrument gibt, das Theremin heißt (S.107)?Über ein schlecht besuchtes Konzert von Franz Liszt in einer französischen Provinzstadt erzählt Kurt Svatek, dass Liszt nach dem Konzert die wenigen Anwesenden zu einem Abendessen einlud, worauf der Konzertsaal am nächsten Tag zum Bersten voll war (S.122-123). Im Abschnitt „Das will heute wohl keiner mehr wissen“ heißt es ab Seite 98, dass das berühmte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ursprünglich eine Erfindung der Nazis war. Das Konzert wurde nämlich erstmals zur Jahreswende 1939/40 als Silvesterkonzert zugunsten des ‚Kriegswinterhilfswerkes des Deutschen Volkes‘ unter der Leitung von Clemens Krauss veranstaltet. Durchaus interessant ist auchSvateks Exkurs über die Filmmusik am Ende des Buches. Der Autor schließt auf Seite 162 mit der gewogenen Definition der Musik ‚als eine Leidenschaft ohne zu leiden‘.

Résumé: Ein mehr als nur lesenswertes Buch, das man immer wieder gern zur Hand nimmt,um mit Interesse darin nachzulesen.

 

Weiterführende Links: https://www.triga-der-verlag.de/svatek/

https://www.steirische-autoren.at/mitglieder/ordentliche-mitglieder/svatek/

 

Über den Autor: Kurt F. Svatek, Jahrgang 1949, lebte und arbeitete seit 1973 fast vier Jahrzehnte als Pädagoge in Niederösterreich, ehe er in seine Geburtsstadt Wien zurückkehrte. Er publizierte bisher mehr als siebzig belletristische Bücher (Gedichtbände, Limericks, Aphorismen, Essays, Kurzgeschichten, Haiku und zwei Romane, einige sprachwissenschaftliche Arbeiten und ein Schulbuch) und ist Mitherausgeber der Anthologie „Unser Europa“. Er erhielt eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen und ist auch freier wissenschaftlicher Mitarbeiter des IPTRC (International Poetry Translation and Research Centre) der Universität Chongqing und Obmann-Stellvertreter der Bibliotheksinitiativen Wien. Daneben war er über zwei Jahrzehnte Vorstandsmitglied des Niederösterreichischen und Österreichischen P.E.N.-Clubs.


Sonja Dworzak: Wurzeln und Zweige. Gedichte von der Dualität unseres Lebens.
Buchschmiede 2024 © Sonja Dworzak, ISBN 978-3-99152-131-0; € 14,90

 

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Der neue Gedichtband der pensionierten AHS-Lehrerin und begeisterten Hobby-Pianistin Sonja Dworzak ist sowohl als Hardcover als auch als Paperback und e-book erhältlich und enthält neben Illustrationen des jung verstorbenen Phillipp Kreuzberger, dem das Buch gewidmet ist, auch passende KI-generierte Bilder.

Der Buchtitel selbst scheint programmatisch – die Wurzeln suchen zu ergründen, woher wir kommen, die Zweige weisen Wege, die wir vielleicht noch gehen.

In neun Abschnitten präsentiert die Autorin formal alles vom freien Reim über stimmunsvolle Haikusequenzen (erstaunlich hier vor allem die beiden Mini-Krimis in Haikuform auf den Seiten 59 und 60) und heitere Limericks bis zum Petrarca-Sonnett und Anagramm.

Neben reiner Gedankenlyrik und ansprechenden Naturbeschreibungen findet sich jedoch auch Zeitgeschichtliches und Aktuelles, so zum Beispiel ein kurzes Gedicht zum Tod von Nawalny (S.95) und die Fabel „Widerstand“ (S.102), die den Ukrainekrieg thematisiert.

 

Einige Passagen seien an dieser Stelle im Wortlaut zitiert. Auf Seite 20 erhebt die Autorin beispielsweise die Frage:

Was wird sein?

 

In meinem Herzen ganz tief drin

Will ich mit allen Sinnen

Das Unbegreiflich Große nieGekannte fassen.

Was wird geschehen, wenn wir sterben?

 

Auf Seite 25 heißt es treffend über die Einsamkeit:

 

Was ist die Einsamkeit

Als ein Gefühl der Kälte

Die sich in allen Gliedern breit

Ausweitet einer Welle gleich?

 

Das MirakelVergänglichkeitwird von Sonja Dworzak schließlich auch im Gedicht „ Wortlose Zeit“auf Seite 121beeindruckend thematisiert. Ich möchte das Gedicht hier im vollen Wortlaut anführen:

 

Die Blätter sinken, wortlos,

Verfallen dem Wind wie

Vergessene Namen im Sand.

Ein Schritt knirscht unter den Hufen

Der Zeit, die dich holt,

Dich ins Dämmerlicht zieht.

 

Stille hängt schwer an den Ästen,

Der Himmel ein blinder Spiegel.

Unter den Wurzeln, die Erde,

Die dich ruft,

Ruft mich –

Und wir beide

Verwehen im Atem des Nebels.

 

Kalte Hände fassen die Sterne,

Die blinken im Grau

Zersplittern im Glas

Über dem Tag, der nie kam.

 

Fast tröstlich mutet da eine Zeile auf Seite 122 an: Die Wehmut im Herzen kann heilen, wenn Stille Dich hält.

 

Sonja Dworzaks neue Lyrikanthologie verdient es, wiederholt zur Hand genommen und aufgeschlagen zu werden, damit Leser und Leserinnen bei der Lektüre immer wieder neue, erstaunliche Facetten entdecken können.

 

Weiterführender Link: https://www.lovelybooks.de/autor/Sonja-Dworzak/


GeorgWeigl: Von einem Tag zum anderen.

Gedichte, Aphorismen und allerlei Gedanken.Innsalz Verlag 2024,

ISBN: 978-3-903496-26-2; Hardcover, 94 Seiten, € 19,80

 

Buchbesprechung von Franziska Bauer

Auf knapp 80 Seiten des Lyrikbandes „Von einem Tag zum andern“ erwarten uns, präsentiert in elf Abschnitten, Gedichte und Fotografien des Salzburger Autors Georg Weigl, die uns durch den Jahreskreis geleiten und nach Weigls eigener Angabe im Laufe von 30 Jahren entstanden sind.

Ihr Bogen spannt sich von Naturgedichten zu philosophisch-religiösen Betrachtungen und durchaus aktuellen Themenfeldern wieder Pandemie (Virus S.17) und dem durch Kriege ausgelöstem Leid (Rückfall S.19).

 

Besonders ansprechend sind jedoch die originellen und scharfsinnigen Aphorismen, die durch ihre Gedankentiefe und präzise Formulierung erstaunen. An dieser Stelle seien zumindest einige von ihnen zitiert:

Wir sollten nicht übersehen, dass der Zeitgeist auch ein Gepenst ist. (S. 11)

Es ist schon so: Der eine wird für eine gute Tat nach zehn schlechen gelobt, der andere für eine schlechte nach zehn guten getadelt. (S. 13)

Die sozialen Medien heben den Dorfklatsch auf eine internationale Ebene, was aber nicht heißt, dass dadurch auch dessen Niveau steigt. (S. 18)

Gedichte sind die Internisten in der Literatur. (S. 62)

 

Aphoristisch mutet auch die erste Strophe des Gedichtes „Lebensrhythmus“ auf Seite 9 an:

 

Der Rhythmus unserer Tage

lässt zu wenig Zeit zum Atemholen

Und man stellt sich wohl die Frage:

Wer hat die Geschwindigkeit befohlen?

 

In etlichen Gedichten wird auch der Natur- und Heimatbezug des Autors deutlich. Über den denkmalgeschützten historischen Salzburger Friedhof St. Sebastian heißt es auf Seite 31 beispielsweise:

 

Schlafende Zelle

im pulsierenden Organismus der Stadt,

Marmor in den Arkaden der Erinnerung,

grasüberwuchert in der Mitte

Stein und Eisen, Kreuze

verwehter Hauch des Lebens.

 

Das Land um Bad Hall beschreibt der Autor auf Seite 63 mit liebevollem Blick:

Grüne Wellen wogen in sanften Hügeln

von Bändern erdgebunden

und verschnürt am runden Horizont;

Dächer und Gehöfte bodenständig,

metallgrau da und gläsern dort

bleibt es doch darin verfangen;

und in der Mitte turmhoch

himmelwärts ergeben:

Denn friedlich verweilt hier

des Menschen Geist.

 

In voller Länge sei das Gedicht Frühlingstraum (Seite 11) angeführt, mit dem der Abschnitt HOFFNUNGSFROH beginnt:

 

Die Bäume grünen so wie eh‘,

die Blumen tuns mit Farben gleich,

der Winter flüchtet in die blaue Höh‘,

ein Abglanz bleibt im dunklen Teich,

 

Ein Schmetterling auf altersschwerem Zaun

scheint nicht von dieser Welt,

ist wie ein Bote von dem Faun,

der dort im Waldesschatten steht

 

Der Traum vom Frühling hat kein Ende,

denn Hoffnung ist sein Element;

Wenn das Gesetzbuch der Natur man fände,

das auch des Menschen Grenzen klar benennt?

 

Auf Seite 83 schließlich setzt sich der Autor in Strophe 2 des Gedichtes ERWARTUNG mit dem Thema Advent auseinander und schließt auf Seite 85 mit einem Gebet:

 

S.83:

Glänzende Dinge lassen Augen strahlen,

doch über Krippen fehlt der echte Stern

das wahre Wunder steht uns fern,

es verweigert sich der Welt der Zahlen.

 

S.85:

Zeige mir die Ausfahrt aus dem Kreisverkehr meiner Gedanken

Setze das Magnetfeld der Selbstgerechtigkeit außer Kraft

Lass‘ mich aufschauen von der Straße der Geschäftigkeit

zu den schmalen Wegen am Berge der Erkenntnis.

 

Resümee: „Von einen Tag zum andern“ ist einBuch, das uns auf vielen Ebenen anspricht und durchaus auch zum Nachdenken bringt. Mehrfache Lektüre wäre angebracht.

 

Weiterführende Links:

https://innsalz.eu/artist/weigl-georg/

https://www.edition-tandem.at/weigl-georg/

 

Über den Autor:

Georg Weigl, pensionierter Bediensteter der Salzburger Landessanitätsdirektion, ist 1948 in Zell am See geboren und verbrachte die Kindheit bis zum 10. Lebensjahr in Fusch an der Großglocknerstraße. Sein Lebensweg führte ihn vom Pinzgau über den Flachgau in die Stadt Salzburg, jenen Ort, der ihm seit Jahrzehnten nicht nur Zuhause, sondern auch Kraft- und Inspirationsquelle ist. Der Autor ist verheiratet, hat zwei Töchter, einen 2015 verstorbenen Sohn und fünf Enkelkinder. Chorgesang und Literatur waren ihm stets mehr als Vorlieben, die neben Familie und Beruf eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen. In seiner schriftstellerischen Arbeit schöpft er aus einer christlich-humanistischen Grundhaltung und einem starken Natur- und Heimatbezug. Sein Werk umfasst Gedichte, Kurzprosa, Essays und Aphorismen, wovon mehrere in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht wurden, sowie einige kurze Texte in dramatischer Form.

 

Buchveröffentlichungen:

„Zwischen den Zeiten“ (1999),

„Die Monate“ (illustrierte Gedichte 2007),

„Schritte in dieser stillsten Zeit“ 2. ergänzte Auflage (2020)

„Von einem Tag zum anderen“(2024)


 

Franz Hinterreiter

 

wwW-a.grb

 

wirklich

 

wertvolle

 

Wahrheiten

 

aus

 

Grünburg

 

Für Sonja

und meine Kinder

 

Cäsar und Cleopatra,

das war vor langer Zeit.

Auch ich hab meine Sonja

vor langer Zeit gefreit.


©Bild: Geest-Verlag
©Bild: Geest-Verlag

Sybille Fritsch
DA!
Gedichte
Geest-Verlag 2024
ISBN 978-3-86685-974-6

116 S., 12 Euro

Neue Chance

Letzte Freiheit
letzte Chance
morgen anders
morgen neu
Ich Selbst
Ich Wahr
morgen Anfang
morgen vom Ende
her neue Freiheit
neue Chance

 

„DA!“ ist der Titel dieses Bandes. Er weist auf die Auseinandersetzung der Autorin mit fernöstlichem, besonders zenbuddhistischem Gedankengut und mystischer Traditionen hin.
Eine Wanderung zwischen den Welten. Ein Innehalten. Ein Dazwischen. Das gilt für Gedanke und Tat, für Religion und Politik, für Himmel und Erde, für Ost und West: „Offene Weite – nichts von Heilig“.
Das gilt bis hin zur Zeichensetzung. Diese ist je Gedicht einheitlich, von Gedicht zu Gedicht aber verschieden. Wie für vieles in ihrer Lyrik gibt es (über die Jahre) immer wieder Übergänge ... so auch in der Grammatik und bei Zeilenübergängen und Reimen. Das mag den Übergängen zwischen den Kulturen und den spätmodernen Bildern von Wirklichkeit und Spuren von Wahrheit entsprechen. Panta rei. --- Und die Lyrik setzt voller Sehnsucht einen Punkt ohne doch verweilen zu dürfen.
Ein auch sprachlich einfühlsamer Band, der in der augenblicklich komplexen gesellschaftlichen Situation mit dazu beitragen kann, verantwortliche Positionen zu entwickeln, schlägt die Autorin doch wohltuende „Zwischentöne im Niemandsland“ an, die dem Leser die Möglichkeit schaffen, ethisch verantwortbare Positionen in einer sich zerstörenden Welt zu entwickeln. Ein Band, der dem Leser die Muße und den Optimismus bringt, der in solchen Zeiten notwendig ist: „Und nehmen uns Zeit zum/ Danken und Freuen /ganz Hier und Heute:/wir sind, wir leben, wir atmen.

Quelle: Text stammt von der Seite des Geest Verlags. https://geest-verlag.de/shop/fritsch-sybille-da-gedichte


Fotografie: Hans Eder
Fotografie: Hans Eder

Gaby Eder: Herzgespiegelt. Gedichte.

Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2023

€ 13,00; ISBN 978-3-99126-223-7

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Auf den 88 Seiten des schmucken, handlichen Lyrikbandes der Heiligeneicher Autorin Gaby Eder finden sich 62 Gedichte verschiedener Länge, teils in freiem Versmaß, teils gereimt, jedes mit einem treffenden Titel versehen, etliche davon auch mit passenden Fotos aus der Hand ihres Ehemannes Hans Eder illustriert. Eindringlich und in gekonnt feinfühliger Wortwahl thematisiert ihre Lyrik verschiedenste Bereiche, so zum Beispiel die Schönheit der umgebenden Natur, das unvermeidliche Älterwerden und den allgegenwärtigen Wandel, um nur einige zu nennen.

 

So gibt im Kurzgedicht „Weltgewoge“ (S. 38) die Autorin der Hoffnung auf Beibehaltung der zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeit Ausdruck:

Es rauscht die Zeit im Weltgewoge.

Ich hoff‘, es wächst im Steh‘n und Wanken,

trotz großer Vielfalt der Gedanken,

Verbundenheit im Dialoge.

 

Den unvermeidlichen Wandel, den viele gar nicht erst wahrhaben wollen, spricht sie im Gedicht „Regenbogengleich“ auf Seite 46 an:

Wenn sich um mich alles verändert

und dennoch so wie immer bleibt,

dann tauche ich ins tiefe Farbenmeer

und suche die bunten Worte

im zarten Flüstern der Entschwundenheit.

Regenbogengleich verändert sich dann alles –

und nichts bleibt mehr, wie es war.

 

Durch das „Innenfenster“ (S.51) betrachtet, scheint die Zeit allerdings stillzustehen:

Tief drinnen in mir, wo das Alter keinen Zutritt hat,

da weiß mein ICH nichts vom Galopp der Zeit

und kennt auch keinen Spiegel.

 

Epigrammatisch, ja geradezu weise muten die „Träume aus Glas“ auf Seite 68 an:

Leere Versprechen sind wie Träume aus Glas.

Sie wohnen im Schatten großer Worte

und reisen im Handgepäck der Eitelkeit.

 

Der Lyrikband „Herzgespiegelt“ ist eine berührende Gedichtesammlung, die man immer wieder gerne zur Hand nimmt, weil sie den Blick für das eigentlich Wesentliche im menschlichen Dasein schärft.

 

Weiterführende Links:

https://www.gabyeder.at/

https://www.bibliothekderprovinz.at/autor/gaby-eder/


Elisabeth M. Jursa

AN DER MAUER UNTER DEM VORDACH

der wolf verlag, Wolfsberg 2022, 112 Seiten

ISBN 978-3-903354-19-7

 

Ihr Lebensweg hat Elisabeth M. Jursa in viele verschiedene Länder geführt. „Ich bin schon viel auf der Welt herumgekommen. Habe in anderen Kulturen gelebt, mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, auf verschiedenen Kontinenten. Aber im Paradies war ich noch nie“, notiert sie lakonisch in ihrem jüngsten Buch, einer Sammlung von 37 Kurzprosatexten. Formal loten diese Texte nahezu alle Möglichkeiten und Spielarten der kurzen Prosa aus, vom skizzenhaften Feuilleton über den kleinen Essay bis zum Prosagedicht; manche Texte lassen Ansätze einer Geschichte erkennen, den Anfang oder das Ende einer Erzählung, die unerzählt bleibt; Figuren erscheinen und erheben ihre Stimme, Umrisse von Lebensläufen, von Schicksalen werden erkennbar; anderes wiederum bleibt im Bereich der reinen Reflexion, wie etwa die Skizze über „Tiefe Gräben“ in uns und um uns oder die Betrachtung über das Wort Brot. Hier kommt die Autorin nicht umhin, das große Ganze in den Blick zu nehmen, Befunde über den Zustand der Welt abzugeben und allgemein verbindliche Aussagen zu treffen, was ihr dank ihrer verknappten, unprätentiösen Sprache auch durchaus gelingt. Am eindrucksvollsten und überzeugendsten ist ihre Prosa aber dort, wo sie nicht ins Allgemeine zielt, sondern ganz beim Einzelnen bleibt, bei den einzelnen Mosaiksteinchen des Lebens, in der konkreten Begegnung mit einem Gesicht, einer Stimme, einer zärtlichen Geste, einer Melodie, in der vieles mitschwingt, einem Farbton, der viele Assoziationen weckt.

 

Elisabeth Jursa sei eine Autorin des „Dazwischen“, schreibt Petra Ganglbauer in ihrem schönen Vorwort zum vorliegenden Band. „Es ist das ‚Dazwischen‘, aus dem sich diese Kurzprosa speist, auch wenn sie ganz konkret von Einsamkeit oder Enttäuschung,

Leistungsdruck oder Versäumnissen, Verlassenheit, Armut, sozialer (globaler) Ungerechtigkeit oder mystischer Schau erzählt. Es ist das Oszillierende, das Flüchtige, welches die besondere Qualität dieser Literatur ausmacht.“ Daneben ist noch eine weitere

Qualität zu erwähnen: die Fähigkeit der Autorin, ihre Texte mit einem starken Schlussakkord zu versehen. Ein Prosastück dieser Sammlung etwa, wohl das rätselhafteste von allen, endet mit dem Satz „Er stellt zufrieden fest, dass sein Körper keinen Schatten wirft“, und ein anderes, das von den Selbstzweifeln eines Schauspielers handelt, schließt mit den Worten: „Wenn der letzte Vorhang fällt, denkt er, möchte er gerne geschminkt sein.“ Meisterhafte Schlüsse, die man nicht vergisst …

 

Der Band ist mit zehn Schwarzweißfotographien der Autorin versehen, Momentaufnahmen aus vielen Straßen und von vielen Wegen, kurze Blicke en passant auf Stadtlandschaften, in denen viel gelebtes Leben seine Spuren hinterlassen hat, keine Idyllen, aber doch Szenerien, die eine gewisse Ruhe vermitteln. Ein Motiv vor allem ist es, das in den Fotografien der Autorin häufig wiederkehrt: das Motiv des Fensters, und das ist kein Zufall, denn wie Fenster sind auch ihre Texte, sie eröffnen Ausblicke, zeigen Weltausschnitte, größere und kleinere, lassen manches aus der Nähe erkennen, manches in der Ferne erahnen. Es ist schön, vor ihnen zu stehen und bei ihnen zu verweilen.

 

Christian Teissl

 

https://www.raggernot.net/start/shop/

 

https://www.meinbezirk.at/graz/c-leute/autorin-elisabeth-m-jursa-im-gespraech-mit-meinbezirkat_a5932999#gallery=null


Franziska Bauer

Gereimt, doch nicht ganz ernst gemeint

Heitere Verse für Kinder, die schon ein wenig lesen können,

es aber noch üben wollen.

Pohlmann Verlag, Bad Laer

71 Seiten, ISBN: 978-3-948552-34-3

Illustrationen: Bina, Gabriele; Freudenthaler, Anna;

Terzyiska, Elena

 

 

Wenn pädagogisches Blut in den Adern fließt, dann fließt es wohl für immer. Da liest eine Lyrikerin und pensionierte Gymnasiallehrerin einen Artikel über den Bildungserwerb und die Lesekompetenz von Kindern, oder vielmehr darüber, wie sprachliche Rückstände vor Eintritt in das Schulalter behoben werden können. Viele europäische Staaten sind Österreich da voraus.

 

Für die Finnen etwa ist Lesen das liebste Hobby. Sie gehören nicht nur zu den Spitzenreitern der Welt in Lesefertigkeit, in der Anzahl der jährlichen Neuveröffentlichungen sowie in der Zahl der publizierten Zeitungen, sondern auch zu den fleißigsten Bibliotheksbesuchern. Es gibt 817 öffentliche Büchereien in Finnland, 134 davon sind mobil und fahren über 10.000 Haltestellen an. Sie sind kostenlos und werden von den Kommunen mit staatlicher Hilfe finanziert. Ihre Aufgaben wurden bereits in den 1920ern durch Gesetz geregelt. Also vor mehr als hundert Jahren!

 

Das Büchereigesetz garantiert der gesamten Bevölkerung, also auch Kindern aus bildungsfernen Familien, gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Kultur und Information. Dass Informationen und Wissen allen zur Verfügung stehen müssen, bildet einen der Grundsteine des nordischen Wohlfahrtsstaatsmodells. Die Büchereien haben die Aufgabe, Materialien, Informationen und Kulturinhalte zu bieten, eine vielseitige und ständig aktuelle Sammlung aufrechtzuerhalten sowie Räumlichkeiten für das Lernen, für Hobbys und Arbeiten anzubieten.

 

In Österreich verfügt in achtzig Prozent der Volksschulen nicht einmal ein Viertel der Kinder bei Schuleintritt über rudimentäre Lese- und Schreibkenntnisse. In Finnland sind es fünf Prozent!

 

Und wie reagiert die pensionierte Gymnasiallehrerin Franziska Bauer auf den Artikel? Sie schreibt einfach ein Buch für die Kleinen. Kann man denn schöner und vor allem gezielter reagieren? Gleich vorweg, das Buch ist wirklich etwas Besonderes, sowohl von den gereimten, einfühlsamen, den Erfahrungen der Kinder entsprechenden Texten, die diese Erfahrung auch noch ausweiten, als auch von der grafischen Gestaltung her. Dafür waren Gabriele Bina, Elisabeth Denner, Anna Freudenthaler und Heidrun Karlic zuständig, denen es wirklich gelang, die Texte mit lieben, lustigen, die Kinder sofort ansprechenden, kongenialen Bildern zu ergänzen.

 

Zu Beginn wird anhand von Bildern das Alphabet erklärt. Zitat: Das große H ist für gewöhnlich der Hosenträgerhose ähnlich. Das J kommt vom Garderobehaken und das T etwa vom T-Shirt.

 

Die weiteren Kapitel nach dem ABC-Salat beschäftigen sich mit einer Lesereise, dem Erraten von Märchen, allerlei seltsamen Getier, mit sprechenden Gegenständen und Kunterbuntem. Jedes für sich eine kleine Welt, die Spaß macht und zum Lesen anregt, und nebenbei gesagt den Kindern Poesie nahebringt. Die Kinder lieben, im Gegensatz zu der Meinung mancher Kinderbuchverlage, nämlich Gereimtes. Ist ja auch viel leichter zum Auswendiglernen.

 

Wir erleben den Spaziergang durch den Wald mit seinen Geheimnissen, aber wir verfolgen auch Frau Dürr, nomen est omen, die sich aus sportlichen Gründen, um spazieren zu gehen, einen Dackel angeschafft hat.

 

… dem Hund zuliebe tut sie das, aus Pflichtbewusstsein, nicht aus Spaß.

 

Wir stehen also genauso mitten im Leben, wie das Mädchen mit dem Gipsfuß nach dem Schikurs. Zu den sprechenden Gegenständen gehören natürlich auch technische Artikel wie das Mobiltelefon. Die Computermaus geistert durch das Buch, ebenso wie die Gummibärchen oder der Stau auf der Autobahn. Die Texte liegen also voll in der Erlebniswelt der Zeit. Schön, wie Wörter mit doppelter Bedeutung erklärt werden, etwa der Fuchsschwanz oder der Ohrwurm. Nicht zu vergessen, das Eselsohr.

 

Beim Lockvogel heißt es:

… oft hat die Sache einen Haken, worüber viele schon erschraken.

 

Wohl gemerkt, dieses Buch hat keinen Haken und ist doch ein Lockvogel, der Kindern den Spaß am Lesen nahe bringt und das mit einer Pädagogik ohne Zeigefinger. Den Kindern, vor allem aber auch den Eltern zu empfehlen, die ihren Sprösslingen das Erlernen des Lesens erleichtern wollen. Schön, dass die Autorin, aber auch die Grafikerinnen und der Verlag die Herausgabe ermöglicht und gewagt haben.

 

Der Verlag bietet übrigens auf seiner Homepage auch Zusatzmaterialien zum Gratisdownload und ein Gewinnspiel für Schulklassen.

 

Kurt F. Svatek

 



Gerta Ubl-Fahrngruber/Karl Pölzelbauer: Der Ehestreit oder die Schwester Oberin

21 Sketche. Heitere Texte.

Eigenverlag Karl Pölzelbauer, Ternitz 2023.

ISBN 978-3-200-0956-0

 

Buchvorstellung von Franziska Bauer

 

Im vorliegenden 146 Seiten umfassenden und im Eigenverlag publizierten Paperback präsentieren sich Gerta Ubl-Fahrngruber und Karl Pölzelbauer in 21 Sketchen gemeinsam, wenn auch in verschiedenen Rollen: Verfasst hat 18 der 21 Miniaturszenen Gerta Ubl-Fahrngruber, eine Karl Pölzelbauer, und in zwei Sketchen erlebt man beide in der

Doppelrolle als Schreibende und Aufführende. Von 21 Sketchen wurden laut Inhaltsverzeichnis 20 zu zweit und einer zu dritt gemeinsam mit Michael Perfler aufgeführt, die meisten davon in Ternitz.

Die Verfasser der beiden Vorworttexte – der Ternitzer Bürgermeister Rupert Dworak und Stadtrat Peter Spicker – weisen darauf hin, dass die Pflege der mundartlichen Ausdrucksweise sowohl für Gerta Ubl-Fahrngruber als auch für Karl Pölzelbauer ein großes Anliegen ist.

Bewusst mit der Sprache spielend, in weiten Passagen auch unter Verwendung von Reimen, ergehen sich beide Schreibende in stellenweise an den Humoristen Loriot gemahnenden Dialogen, bei denen ein Wort das andere ergibt, was oft zu grotesken und völlig unerwarteten Situationen führt.

So suchen ein Pensionist und eine Pensionistin im Amtshaus (S. 29) vergeblich das im 6. Stock befindliche Sozialreferat, wobei der Lift außer Betrieb ist und der 6. Stock zudem schon abgerissen wurde. Schließlich werden sie vom Portier ins Erdgeschoß verwiesen, wohin man das Soziareferat mittlerweile verlegt hat, was ihnen aber auch nichts nützt, da am Freitag früher Dienstschluss ist und die Bediensteten das Amtshaus schon verlassen haben.

 

In der Liebesgeschichte von Hans und Hannerl machen sich letztere sorgfältig zum Ausgehen bereit, verlieren aber dabei den Kampf gegen die Zeit, sodass Hannerl in Hauspatschen und Hans mit zerknittertem Anzug zum Fest erscheinen muss.

 

Zwei Sketche (Aloisia, wo ist dein Großpapa? S.17; Herr Voprsalek S.108) sind in böhmisch-tschechischer Diktion aufzuführen, wie sie die Älteren von uns sicherlich noch von den Auftritten eines Heinz Conrads im Ohr haben.

Grotesk überzeichnet ist der in Koautorenschaft verfasste Frühjahrsputz im Parlament (S.134), bei dem der Putztrupp nicht nur die parlamentarischen Räumlichkeiten, sondern auch die verstaubten Gemüter der dort Anwesenden auf Hochglanz bringt. Dieser Sketch ist übrigens in bewusst feierlichem Standarddeutsch abgefasst und nicht im Dialekt.

 

Die Herausgabe des Buches wurde mit Unterstützung der Kulturabteilung des Amtes der NÖ Landesregierung und der Stadtgemeinde Ternitz ermöglicht.

 

Neben einer durchaus amüsanten Lektüre stellt der von Gerta Ubl-Fahrngruber und Karl Pölzelbauer verfasste und von Karl Pölzelbauer und Hans Flieger illustrierte EHESTREIT gewiss auch einen inspirierenden Fundus für Laienspiel-ensembles dar.

 

Vom Klappentext übernommen:

 

Gerta Ubl-Fahrngruber:

Geboren am 22.8.1944 in Wien, aufgewachsen in Wien-Liesing, Wohnorte in Wien,

Burgenland, Niederösterreich und Salzburg. Büroangestellte und Lehrerin, jetzt in Pension.

Seit 1973 schriftstellerisch tätig: Lyrik, Kurzprosa, heitere Prosa, auch Mundart, Aphorismen,

Haiku, Kinderreime und -geschichten. Einige Jahre Leiterin der Perchtholzdorfer

Künstlerrunde. Eigene Lesungen in Wien, Burgenland, Steiermark, Niederösterreich und

Salzburg.

Karl Pölzelbauer:

Geboren am 9.12.1950 in Neunkirchen. Nach seinem Buch „Gedichte, Geschichten und

Sagen aus Ternitz“ widmete sich der pensionierte Diplompädagoge auch der Lyrik und nahm

an zahlreichen Lesungen teil. Humor war sein ständiger Begleiter, daraus ergaben sich viele

heitere Texte und die neue Vorliebe für Sketche.

 

Weiterführende Links: https://lyrikfreunde.jimdo.com/repräsentanzen-1/niederösterreich/


 

Kurt F. Svatek: Wie möglich ist das Unmögliche oder Wie unmöglich ist das Mögliche?

Triga - Der Verlag2023, ISBN ‎ 978-3958283312

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Kurt F. Svatek, den wir als mehrfach übersetzten und auch selbst übersetzerisch tätigen Verfasser zahlreicher Bücher und Träger mehrerer Literaturpreise kennen, stellt in seinen oft nur skizzenhaft hingeworfenen und dennoch tiefgründigen Minigeschichten die Frage nach den Grenzen zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen. Darauf weist schon das Tribar oder Penrose-Dreieck auf dem Coverbild hin: Diese sogenannte unmögliche Figur ist grafisch zweidimensional und kann somit körperhaft gar nicht existieren, obwohl sie in unserer Sinneswahrnehmung als dreidimensionales Gebilde erscheint. Das sich ergebende Dilemma reduziert der Autor sarkastisch um eine weitere Dimension:

 

„Physiker, Kosmologen und Mathematiker halten es nicht mehr für unmöglich,

dass unser Universum eine holographische Projektion ist, also letztendlich zweidimensional.

Nur, was stört das schon einen, der ohnehin nur eindimensional denkt?“ (Kein Problem, S.46)

 

Dazu kommt noch die Möglichkeit des Irrtums und der Selbsttäuschung.In einem imaginären Interview mit dem kleinen Prinzen auf Seite 126 meint letzerer:

„Euer Hirn sieht doch nur, was es sehen will, hört nur, was es hören will, und blendet alles andere,

vor allem das Unangenehme, das fremd Scheinende, aus.“

 

Auch Tante Frieda, die ihrem Namen dadurch gerechtwird, dass sie Vornamen sammelt, die das Wort Frieden enthalten, weiß, dass …

„… die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist, sondern das, was die Leute dafür halten.“

(Von Arina bis Yen,S. 101)

 

Die Sinnfrage stellt schließlich der Minitext „Was wäre die rechte Antwort?“, wo es auf Seite 159 epigrammatisch heißt:

 

„Wenn schon nicht das Gute siegt, das ganz Böse setzt sich auf lange Zeit auch nicht durch.

Letztendlich obsiegt das Leben.“

 

Wie es dabei um die Willensfreiheit steht, erfahren wir kurz und bündig im Text „Eine freie Entscheidung“auf Seite 74:

„Im Krieg begegneten einander zwei fremde Soldaten mit gezogener Waffe. Sie sahen einander in die Augen.

Der eine schoss rechts vorbei und der andere links.“

 

Wir unternehmen im Zuge der Lektüre lehrreiche Exkurse in die Menschheitsgeschichte und Zeitreisen in die griechische Mythologie, erfahren unter anderem auch Details über die Tradition der Wiener Literatursalons (S. 91) und die Lebensgeschichten der Comedian Harmonists (S.79).

 

So findet sich auf den insgesamt 227 SeitenTiefsinniges neben Humoristischem,Lehrreiches und penibel Recherchiertes neben Anekdotisch-Amüsantem. Hinlänglich Bekanntes wird unerwartet neu präsentiert, aussichtslos Scheinendes löst sich in erleichtertes Lächeln auf:

„Wie soll denn einer jemals hochkommen, wenn es immer bergab geht?“, grantelte er. „Einfach durch Umkehr“, meinte sie verschmitzt. (Lebensweg, S.59)

Kurt F. SvateksMinigeschichten sind doppelt lesenswert – sie sind brilliant geschrieben und stellen daneben eine tröstliche Anleitung zur Daseinsbewältigung dar. Der Autor spricht uns Mut zu, das scheinbar Unmögliche zu wagen und so den nötigen Umbruch aktiv mitzugestalten, anstatt sich vom Wandel lähmen zu lassen: Nur wer wagt, gewinnt.

 

Liste seiner neueren Werke:
Der gescheiterte Scheiterhaufen, Mikrogeschichten, Triga - Der Verlag, Gelnhausen-Roth, 2021

 

Dereinst in einem fernen Land / Un giorno in una terra lontana, Poetische Impressionen / Impressioni

 

poetiche, Edizioni Universum, Rocca di Caprileone, 2021

 

The Will-oˈ-the Wisps of Time, Dancing Thoughts, Edizioni Universum, Capri Leone, 2022
Das Meer, der Mond und die Zeit. Ein Tanz der Gedanken. Borsdorf 2022, Triga – Der Verlag,
ISBN 978-3-95928-301-5

 


Weiterführende Links:
https://www.triga-der-verlag.de/svatek/
https://www.steirische-autoren.at/mitglieder/ordentliche-mitglieder/svatek/

 

 

 

Kurt F. Svatek, Jahrgang 1949, lebte und arbeitete seit 1973 fast vier Jahrzehnte als Pädagoge in Niederösterreich, ehe er in seine Geburtsstadt Wien zurückkehrte. Er publizierte bisher mehr als siebzig belletristische Bücher (Gedichtbände, Limericks, Aphorismen, Essays, Kurzgeschichten, Haiku und zwei Romane, einige sprachwissenschaftliche Arbeiten und ein Schulbuch) und ist Mitherausgeber der Anthologie „Unser Europa“. Er erhielt eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen und ist auch freier wissenschaftlicher Mitarbeiter des IPTRC (International Poetry Translation and Research Centre) der Universität Chongqing und Obmann-Stellvertreter der Bibliotheksinitiativen Wien. Daneben war er über zwei Jahrzehnte Vorstandsmitglied des Niederösterreichischen und Österreichischen P.E.N.-Clubs.

 


   

Buchbesprechung: bleib da wenn du gehst

von Franziska Bauer

 

Karin Klug nähert sich im vorliegenden Lyrikband dem Thema Liebe in all seiner Widersprüchlichkeit und emotionalen Vielfalt von verschiedenen Seiten.

Nicht von ungefähr dürfte die Autorin als Titel die Sprachfigur des Paradoxons gewählt haben, und auch das schlichte, diagonal in zwei farblich kontrastierende Dreieckshälftengeteilte Cover lässt diese Doppelbödigkeit erahnen: Von der Liebe, sagt die Autorin auf Seite 157, sei „ … so vieles schon gesagt, alles schon gesagt, und trotzdem noch so vieles offen“.

Auch der Klappentext spricht von „ … Gedichten von der Möglichkeit und den Unmöglichkeiten der Liebe, von Sehnsucht und Begehren, Abschied und Neuanfang und all den Räumen dazwischen“.

 

In durchgängiger Kleinschreibung ohne Interpunktion reihen sich Gedichte verschiedener Länge aneinander, sowohl gereimte als auch welche in freiem Vers, oft unter Verwendung kühnerNeologismen und Sprachbilder. Zeilengrenzen werden zum Brechen der Erwartungshaltungbewusst negiert, selbst die Kürzestgedichte fangen wie Schnappschüsse gekonnt seelische Befindlichkeiten ein. So heißt es auf Seite 30 über einen Abschied:

 

                               da stehst du nun

                               bereit zu gehen

                               und fragst nicht

                               was ich fühle

                               und ich schüttle deine hand

                               und wünsche dir viel glück

 


Karin Klugs Gedichte kommen bewusst sprachspielerisch daher, einige Male sogar mitdialektalen Einsprengungen(wie auf Seite 86 im Gedicht „Traumfrau“).Obwohl ernste Themen nicht ausgespart bleiben (im Gedicht Wochenplan auf Seite 47 geht es um einen Selbstmord),finden sich in der Anthologie auch durchaus humorvolle Gedichte(Gartenzwergtango auf den Seiten 154-155).

 

Abschließend sei das Gedicht „momente“ auf Seite 179 zitiert, welches eine Sternschnuppe beschreibt, die vor den Augen der Liebenden von Himmel fällt:

 

… injener nacht
geradewegs
unszu füßen
und die uns taumelnd
trunken macht
verloren
zwischen Küssen

 

Um in die Vielfalt  von Karin Klugs Lyrik vollends eintauchen zu können, sollte man diesen facettenreichen Gedichtband allerdings mehr als einmal zur Hand nehmen.

 

Karin Klug: bleib da wenn du gehst. Gedichte.
Großebersdorf 2020,
www.buchschmiede.at, ISBN: 978-3-99110-984-6, Seitenzahl: 184, Softcover €12,90



Franziska Bauer & Mary Nikolska

Dona nobis pacem

ISBN 978-3-85253-780-1

Buchschmiede Großebersdorf, 2022

 

Die dreisprachige Gedichtsammlung deutsch- ukrainisch- russisch ist schon auf den ersten Blick von Druck, Papier und Gestaltung ein schön gearbeitetes Buch. Die Illustrationen von Gabriele Bina, Elisabeth Denner, Anna Feudenthaler, Heidrun Karlic und Elena Terziyska machen es noch zu einer ausgesprochen bibliophilen Auserlesenheit.

Die Übersetzungen erfolgten wechselweise durch die in Russisch ausgebildete österreichische und die auch deutschsprachige ukrainische Autorin.

Natürlich kann man derzeit ein Buch in diesen Sprachen nicht losgelöst von den geschichtlichen Ereignissen betrachten, obwohl manche Gedichte schon vor dem 22. Februar 2022 entstanden sind, viele aber auch nachher und bilden so zusätzlich ein poetisches Zeitzeugnis der schrecklichen Ereignisse, vor allem aber wie schon der Buchtitel verrät, die große Sehnsucht nach Frieden.

Die Vorboten waren wohl schon seit dem bewaffneten Konflikt auf der Krim Ende Februar 2014 zu erahnen, wie das Gedicht „Der Blutkönig“ von Mary Nikolska und die dazugehörige so treffend schaurige Illustration von Elisabeth Denner aus dem Jahr 2019 beweisen. Das, was der Blutkönig braucht, das ist der Krieg und den hat er leider auch bekommen, treffend wohl auch für die Zukunft analysiert schon am 5. März 2022 von Franziska Bauer in dem Gedicht „Der Bärendienst“. Das Ganze ging nach hinten los … Was die Macht mit dem Menschen macht, wie sie ihn, wie eine Droge hin zum Größenwahn verändert, zeigt sie treffend in „Über den Hahn am Mist“. Wie berührend ist die „Frühlingsbotschaft aus Kiew“, in der Mary Nikolska einen Zweig vom Ribiselstrauch abreißt, ihn zu einer Orchidee steckt, um mitten im Bombenhagel vom Frühling zu träumen. Auch in „aus Schutt und Asche“ gibt sie die Hoffnung nicht auf: Ein Hoffnungsstrahl … aus Schutt und Asche baut er neue Pfade.

Wie relativ alles werden kann, zeigen die Zeilen von Franziska Bauer in „Rückbesinnung: In stetem Fluss entführt der Strom der Zeit / uns Tag um Tag, macht zur Vergangenheit, / was heute uns bewegt und wichtig dünkt …

Dass Schönheit aber auch immer zerbrechlich ist, darüber sinniert Mary Nikolska in „Zerbrechliche Schönheit“: So klein und voller Ruhe ist die Welt! / Sie wird doch nicht an Schönheit Tag für Tag / verlieren? / Wie ein Blütenblatt es hält, / das bald verblüht und schnell verblassen mag.

So wie Mary Nikolska im Original meist Russisch schreibt und dann auf Ukrainisch übersetzt, so mögen doch, wenn schon nicht die Politik, die Kulturen nicht mehr weiter auseinander triften, sondern als Basis für eine friedliche Entwicklung in der Ukraine einander wieder näher rücken.

Irgendwann einmal tritt sicher ein, was Franziska Bauer in „Dum spiro-spero: Der Regenbogen“ schreibt: Das Licht obsiegt, das Dunkel weicht. Drum lasse nie die Hoffnung sinken …

 

Abschließend kann man, um das Geschenk des Friedens bittend, nur den Titel des Buches wiederholen: Dona nobis pacem!

Kurt F. Svatek


Landratsamt Landsberg am Lech/Landsberger Autorenkreis:
Der Ruf der Natur.
Landsberg am Lech 2022.
Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Der vom Landratsamt Landsberg zum Jahr der Biodiversität herausgegebene Lyrikband „Der Ruf der Natur“ enthält 43 Gedichte und 8 kurze Prosatexte, die Naturgeräusche zum Gegenstand haben. Sie stammen aus der Feder von 20 Mitgliedern des 2004 von Helmut Glatz gegründeten Landsberger Autorenkreises. Klassisch gereimte Gedichte und solche im freien Vers wechseln einander ab, aber alle Texte verweisen direkt oder indirekt auf die Wichtigkeit des Zuhörenkönnens. Wie sonst soll man unterscheiden lernen, ob im Wald nun Ruhe oder Stille herrscht, wie es Marianne Porsche-Rohrer im gleichnamigen Gedicht auf Seite 20 thematisiert? Wie sonst die von Carmen B. Kraus beschriebene Stille eines Septembertages (Seite 42) oder die Musik der Regentropfen (Seite 48) wahrhaben? Wie die vertrauten Klänge eines Stieglitzliedes nicht mit dem Lied einer singenden Maus verwechseln, wie es Roland Greißl auf Seite 75 beschreibt? Wie die mahnenden Stimmen vernehmen, die feststellen, dass unser Erdball auf Droge ist, wie es Thomas Glatz auf Seite 59 formuliert? Wie „Vom Klingen und Rauschen“ einer ums Überleben ringenden Welt erfahren, das Carmen B. Kraus ab Seite 65 beschreibt?

Stellvertretend für alle Mitautor(inn)en des Buchbändchens sei hier Lore Kienzls einleitendes Gedicht „Windgeheimnis“

(S. 9) angeführt:

Schließ die Augen

und lausche

dem Wind in den Bäumen -

er kommt von weit,

er weiß -

denn er trägt

die Geheimnisse der Nacht

die Glut der Herzen

alle Trauer und Sehnsucht,

das Lachen und Weinen der Kinder

das Leben und die Zeit

mit sich fort

 

Der schmale Lyrikband des Landsberger Autorenkreises liegt nicht nur gut in der Hand, sondern ist es auch wert, dass man darin blättert und liest, um die Gedichte auf sich wirken zu lassen: Man wird dadurch sicher lernen, den Ruf der Natur deutlicher zu vernehmen.

Autor(inn)enliste in der im Inhaltsverzeichnis vorgegebenen Reihenfolge:
Lore Kienzl, Hans Schütz, Helmut Glatz, Monika Sadegor, Angelika Müller, Claire Guinin, Heidenore Glatz, Benno von Rechenberg, Marianne Porsche-Rohrer, Boris Schneider, Gerwin Degmair, Barbara Koopmann, Monika Bayerle, Franz OberHofer, Carmen B. Kraus, Theresa Schermer, Karl Michael Ranftl, Thomas Glatz, Rudolf Anton Fichtl, Roland Greißl

 

Weiterführender Link:
www.landsberger-autorenkreis.de
Rezensionsexemplare erhalten von:

[email protected]

Renate Glatz

Dr. Strasser Str.4


Kurt E. Svatek: Das Meer, der Mond und die Zeit. Ein Tanz der Gedanken. Borsdorf 2022, Triga Der Verlag, ISBN 978-3-95928-301-5
Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Kurt E. Svatek, der auch übersetzerisch tätige Autor zahlreicher Bücher und Träger mehrerer Literaturpreise, lässt in diesem Lyrikband wahrhaftig die Gedanken tanzen – im Zentrum seiner durchgängig im Freivers abgefassten Gedichte stehen Reflexionen über Wesen und Bedeutung der Zeit. Ein Entreé über das wundersame Phänomen des Meeresleuchtens vergleicht die winzigen Einzeller, die es verursachen, mit Buchstaben, die in geglückter Lyrik das poetische Leuchten in allen Farben des Regenbogens erzeugen. Mitunter steht ein solches Gedicht ungerufen mitten im Zimmer und führt den Leser, die Leserin über sich selbst hinaus. Zur Illustration sei hier Kurt E. SvateksGedicht  „Der Ausweg“ (Seite 69) angeführt:

                                   Um zu sehen,

                                   muss einer schon hinausgehen,

                                   auch über sich selbst,

                                   sogar wenn die Gegenwart

                                   zu nah kommt,

                                   und somit oft

                                   nur die Flucht

                                   in die Vergangenheit

                                   oder die Zukunft zulässt.

 

                                   Nur ein Gedicht

                                klopft meist ohnehin nicht an,

                                es steht ungerufen

                                mitten im Zimmer,

                                manchmal zu früh,

                                gelegentlich auch zu spät,

                                trotzdem kann es

                                längst Weggeworfenes

                                für lange Zeit aufheben.

 

Mit seinen 104 Gedichten über das Meer, den Mond und die Zeit bietet der Autor Gedankenlyrik vom Besten. Die abschließende Coda in Prosa bietet einen interessanten und informativen Überblick über die Fragestellung „Was ist Zeit?“ und stellt ein Plädoyer für ein Zeitgefühl dar, das auch Langsamkeit und Hinhören auf die Rhythmen der Natur zulässt.

 

Liste seiner neueren Werke:
Der gescheiterte Scheiterhaufen, Mikrogeschichten, Triga - Der Verlag, Gelnhausen-Roth, 2021

Dereinst in einem fernen Land / Ungiorno in unaterralontana, Poetische Impressionen / Impressioni

poetiche, Edizioni Universum, Rocca di Caprileone, 2021

The Will-oˈ-theWispsof Time, Dancing Thoughts, Edizioni Universum, Capri Leone, 2022

 

Weiterführende Links:
https://www.triga-der-verlag.de/svatek/
https://www.steirische-autoren.at/mitglieder/ordentliche-mitglieder/svatek/

 

Kurt F. Svatek, Jahrgang 1949, lebte und arbeitete seit 1973 fast vier Jahrzehnte als Pädagoge in Niederösterreich, ehe er in seine Geburtsstadt Wien zurückkehrte. Er publizierte bisher mehr als siebzig belletristische Bücher (Gedichtbände, Limericks, Aphorismen, Essays, Kurzgeschichten, Haiku und zwei Romane, einige sprachwissenschaftliche Arbeiten und ein Schulbuch) und ist Mitherausgeber der Anthologie „Unser Europa“. Er erhielt eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen und ist auch freier wissenschaftlicher Mitarbeiter des IPTRC (International Poetry Translation and Research Centre) der Universität Chongqing und Obmann-Stellvertreter der Bibliotheksinitiativen Wien. Daneben war er über zwei Jahrzehnte Vorstandsmitglied des Niederösterreichischen und Österreichischen P.E.N.-Clubs.


Elfriede Sauseng: Zwischen Nacht und Morgen
Langenwang 2022, ISBN 978-3-200-08503-9
Buchbesprechung von Franziska Bauer

Ahnend, dass sie „ja nicht mehr viel Zeit habe“, äußerte die hochbetagte Autorin Elfriede Sauseng dem Herausgeber gegenüber den Wunsch, ein letztes Buch zu publizieren: So entstand der posthum erschienene Band „Zwischen Nacht und Morgen“, dessen Satz Ernst Bauernfeld besorgte, welcher auch das Vorwort verfasste.

Auf 106 Seiten finden sich 32 Gedichte und 9 Erzählungen mit Illustrationen von Franz Etschmayer, genremäßg gemischt, aber in nachvollziehbarem Zusammenhang gereiht und lediglich im Inhaltsverzeichnis getrennt nach Lyrik und Prosa aufgelistet.

Das fatale Datum des 24. Februar 2022 rief in der Autorin offenbar selbstdurchlebte Kriegserinnerungen wach, die sie in den Erzählungen Die Russen kommen, Leben mit den Siegern, Nachkriegszeit – Entbehrung und Aufatmen und Der Mantel beeindruckend thematisiert.

Vielfältig und vielschichtig sind auch die Gedichte, die meisten kurz und prägnant, jedoch von bestechender Bildhaftigkeit, schlicht und dabei von großer sprachlicher Schönheit: Aufrufe zum Frieden, Naturlyrik, Liebeslyrik, meist ernst, stellenweise aber auch durchaus humorvoll Dokumente gelebter Mitmenschlichkeit, die uns Hoffnung auf bessere und friedvollere Zeiten geben.

Abschließend sei hier Elfriede Sausengs Gedicht „Suche nach Weisheit“ angeführt:

 

                                               Ich reite nicht mehr

                                               auf dem Rücken des Einhorns

                                               durch Nächte verschwiegener Träume.

                                               Ich borge mir lieber

                                               die lautlosen Flügel der Eule

                                               und jage im dornigen Dickicht

                                               des Lebens nach Weisheit.

                                               Denn nur mit Weisheit allein

                                               lässt sich im Alter

                                               die Nähe des Todes ertragen.

 

„Zwischen Nacht und Morgen“ ist ein Buch, das man immer wieder gern zur Hand nimmt. Das in schlichtem Blassblau gehaltene Bändchen ist mehr als nur lesenswert, es ist eine wahrhaft bereichernde Lektüre.

Elfriede Sauseng
Geboren am 10.6.1928 in St.Johann/Gemeinde Ternitz, Chemiestudium in Wien, heiratet nach Graz, dort Ausbildung zur Lehrerin und Organistin, verwitwet, zieht nach abermaliger Eheschließung ins Mürztal, Unterricht an verschiedenen Volks- und Hauptschulen, dort erste Schreibversuche, in der Pension vermehrt schriftstellerisch tätig, Beitritt zur Gesellschaft der Lyrikfreunde, wo sie sechs Mal unter die drei Erstgereihten des Leserpreises kommt, verstorben am 7.4.2022.

 

Werkliste:

  • Die Katze Nofretete und andere Erzählungen
  • Auf den Schwingen des Mondwindes (Lyrikband)
  • Windharfenspiel (Lyrikband)
  • Zwischen Nacht und Morgen – posthum erschienen

Weiterführende Links:
https://www.meinbezirk.at/neunkirchen/c-regionauten-community/leserpreis-2020-fuer-elfriede-sauseng-aus-st-johann_a4808142

https://www.meinbezirk.at/neunkirchen/c-regionauten-community/herbstlesung-im-literatursalon-schloss-wartholz_a5652955


Mara Rei: Die Zeit sitzt im Glas. Haiku.
Hg. Ingo Cesaro. Neue Cranach Presse, Kronach 2016

Buchbesprechung von Franziska Bauer
26.10.2022

 

Ein  Buch, wie man es selten findet

Autorin Margit Margreiter, die auch unter dem Pseudonym Mara Rei schreibt, wählte für ihren Haikuband

„Die Zeit sitzt im Glas“ ein wahrhaft beeindruckendes Layout: Der kardinalrote Buchumschlag besteht aus handgeschöpftem nepalesischen Papier mit integrierten Wollfäden, gedruckt wurde auf extradickem Papier, die Durchstichbindung ist von Hand gefertigt, die Miniaturauflage - mein handsigniertes Rezensions-exemplar trug die Nummer 27 von 88 - macht das Büchlein schon rein numerisch zur Rarität.


Die Haiku bestechen nicht nur durch ihre genrebedingte Kürze, sondern auch durch die beschreibende Kraft, mit der die poetischen Bilder beschworen werden. Als kleine Kostprobe sei hier abschließend der Haiku von Seite 13 angeführt, welcher dem Buch den Titel gegeben hat:

 

Gelbgolden der Mais
rubinrot leuchtet der Wein
die Zeit sitzt im Glas

 

Ein Buch, dessen man unbedingt habhaft werden sollte und das man gewiss immer wieder gerne zur Hand nimmt.


Margit Margreiter

Oma geht nach Italien
Edition Apollo Art, Innsbruck 2019
Umschlagbilder: Johannes Margreiter

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Eine zu Herzen gehende Geschichte für Erwachsene 
Mit der knapp vierzigseitigen Erzählung „Oma Geht nach Italien“, gedruckt in extra großer und dadurch gut lesbarer Schrift, ist es Margit Margreiter gelungen, der Leserschaft das von Langeweile und Einsamkeit geprägte Lebensgefühl ihrer alternden Protagonistin näherzubringen. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt, sie arbeitet im Brotberuf als diplomierte Krankenschwester und hat auch eine Fachausbildung in Sterbebegleitung absolviert.

Nur allzu selten kann Oma für zu Besuch kommende Familienmitglieder aufkochen, selten sind auch die übrigen Sozialkontakte, Trost spenden ihr der Garten, das Kräutersammeln, das Lieblingsplätzchen unter dem alten Nussbaum und die Planung einer Reise zum Sehnsuchtsort Italien, die für die alte Frau zur Metapher für Glückssuche wird und sie auch über die eigene Endlichkeit nachdenken lässt. So sagt sie gegen Ende der Erzählung:

„Irgendwann muss man doch loslassen. Bei der Geburt kriegt jeder seine Lebenskerze mit. Ob groß, klein, dick oder dünn. Alle brennen sie bis zum Ende. Keiner weiß, wie seine oder ihre Kerze beschaffen ist.“

Oma geht nach Italien ist eine wahrhaft bereichernde Lektüre – ein Lehrstück über das Altwerden, das auch die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins aufwirft.


 

Franziska Bauer mit der Anthologie

Poets of the New World

bei der sie als Preisträgerin ausgezeichnet wurde.

 

POETS OF THE NEW WORLD, Vol.1/2023, Hg. Philipp Spiering,

tredition Dez. 2022, ISBN 978-3347804647 (Hardcover), 188 Seiten, € 22,-

Buchbesprechung von Franziska Bauer

 

Es mag eigenartig erscheinen, ein Bändchen zu rezensieren, zu dem man selber einen Text beigetragen hat, doch das Buch verdient die Besprechung allemal: Entstanden ist diese Gedichtesammlung nämlich aus den Wettbewerbsbeiträgen einer Ausschreibung, an der auch ich teilgenommen habe. Der junge Schriftsteller Philipp Spiering, geboren 1994 in Aachen, der sich vermehrt mit lyrischen Ausdrucksformen befasst, hat sich als Herausgeber und Mitautor der Lyrik-Anthologie Poets of the New World das Ziel gesetzt, die, wie er sagt, „in unserer Zeit immer mehr in den Hintergrund rückende Lyrik neu zu beleben; sei es auf revolutionäre, klassische oder moderne Art.“ Er bezeichnet Lyrik als ein probates Mittel gegen das trübe Gespenst der Abstumpfung, das sich wie ein grauer Schleier durch unsere Gesellschaft zieht. Diesen Schleier lässt Philipp Spiering den Samurai im Gedicht auf Seite 128 letztendlich erfolgreich wegziehen:

Für ihn ist die cité de l’amour grau in grau
Verregnet und wortkarg und trist,
Denn weil er im Kopfe einsam ist,
erbleicht selbst die Wärme der Frau.
Und nichts bleibt mehr übrig als Kälte und Pflicht;
Gefühllos Affären und Wege.
Der Blutfink singt Lieder in seinem Gehege;
Elegien über den Tod und das Licht
– das eine nah, das andre fern.
Sobald sich die Möglichkeit bietet zu weichen,
ergreift er die Fügung beim Schopfe;
Als ob an die Pforte ein Cherub anklopfe,
Versteht er die Enge als Zeichen.
Ein einziges Mal im vergeudeten Leben
Aus Zuneigung endlich zu handeln;
Nicht länger als Dämon im Dunkeln zu wandeln,
Dem Sterben Bedeutung zu geben.

Die Beiträge der Anthologie könnten zwar unterschiedlicher nicht sein, sind aber durchwegs einer näheren Betrachtung würdig. In den Gedichten findet man, wie es im Vorwort sinngemäß heißt, professionelle Handhabung gängiger Versmaße neben freieren Formen, philosophische Tiefe neben Alltagsszenen, Kritik am Menschen neben dem Ausdruck purer
Daseinsfreude. Das Buch ist als qualitativ hochwertige Hardcoverausgabe mit Lesebändchen und als
Paperback erhältlich.

Weiterführender Link: philippspiering.jimdofree.com

 

Mehr von Franziska hier:

https://www.youtube.com/@franziskabauer9783

https://www.facebook.com/franziska.bauer.56211

 


Gesellschaft der Lyrikfreunde:

Kleine Lyrikreihe – Jubiläumsausgabe
Leobersdorf 2021

Hg. DDr.Christine Michelfeit, ISSN 1011-5234

Umschlagbild: Petra Sela

zu bestellen über [email protected]

Buchbesprechung von Franziska Bauer

Gedichte von 40 LyrikerInnen aus 40 Jahren

Anlässlich ihres vierzigjährigen Bestehens setzte die Gesellschaft der Lyrikfreunde  ihre „Kleine Lyrikreihe“ im Jahr 2021 mit einem bemerkenswerten Jubiläumsband fort: Er enthält  Gedichte aus den Jahren 1980 bis 2020,  und zwar ausschließlich solche, die mit dem Leserpreis der Zeitschrift „Begegnung“ ausgezeichnet wurden. Nicht zu Unrecht zitiert die Herausgeberin DDr. Christine Michelfeit im Vorwort die Geleitworte des damaligen Tiroler Landeshauptmannstellvertreters Dr. Fritz Prior zum Gedichtband des Jahres 1983, in der er voraussieht, dass man die Bände der kleinen Lyrikreihe in späteren Jahren als bibliophile Kostbarkeiten schätzen und sammeln wird.

Jedes der Gedichte berührt durch seine Bildhaftigkeit, sprachliche Schönheit und oft geradezu erstaunliche Originalität: Der thematische Bogen  reicht von der Natur im Wandel der Jahreszeiten zu den ewigen Fragen des Menschseins zwischen Leben und Tod, kontrastiert Endlichkeit und Ewigkeit, stellt menschliches Fehlverhalten und Nächstenliebe einander gegenüber. Stellvertretend für alle anderen  sei hier der Anfang des wohl bekanntesten Gedichts - Erich Frieds (1921-1988) „Was es ist“ aus dem Jahr 1983 – angeführt, das man auf Seite 12 nachlesen kann:

WAS ES IST

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
                                                                      

Eine Auflistung der vierzig PreisträgerInnen findet sich auf den zwei letzten Seiten des kleinen, aber wahrhaft beeindruckenden Gedichtsbandes, der in keinem Bücherregal fehlen sollte.